30 Jahre Wirtschaft hautnah
18. März 2026 | WLZ 133 | Autorin: Stefanie Schadler
Die Hochstraße Innovativ in Friedberg feierte heuer ihr 30-jähriges Bestehen. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, um regionale Betriebe kennenzulernen, Maschinen auszuprobieren und Einblicke in das vielfältige Angebot der Wirtschaft entlang der Hochstraße zu erhalten.
Jugendliche konnten sich am Stand der Polytechnischen Schule Friedberg kreativ betätigen.
Gemeinsam mehr bewegen
Jugendliche versuchten sich an der Fräse, Kinder lachten in den Hüpfburgen und vor den Ständen der Aussteller bildeten sich Menschentrauben: Bei der 30. Hochstraße Innovativ vom 14. bis 15. März zeigte sich die Gewerbeschau wieder wie gewohnt abwechslungsreich. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, um regionale Betriebe kennenzulernen und Einblicke in ihre Arbeit zu gewinnen.
Auch viele Ehrengäste waren der Einladung zum Jubiläum gefolgt. In seiner Ansprache erinnerte Organisator Mario Janisch an die ursprüngliche Idee der Veranstaltung: Gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Die vier benachbarten Unternehmen Lind, Jesch, Faustmann und die damalige Firma Glatz bezeichnete er als „Keimzelle der Veranstaltung“. Die Hochstraße Innovativ sei mittlerweile zu einem wichtigen Sprachrohr der regionalen Wirtschaft geworden. Gerade bei den Themen Sozialabgaben, Steuern und Bürokratie brauche es Entlastungen für Betriebe, damit sie wettbewerbsfähig blieben, so Janisch. Trotz vieler Herausforderungen gebe es aber auch Anlass zum Feiern: Die Firma Lind begeht heuer ihr 70-jähriges Bestehen und erhielt dafür von Vertretern der Wirtschaftskammer eine Urkunde. Auch Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer betonte in seinen Grußworten den besonderen Charakter der Veranstaltung: „Sie ist Ausdruck der Vielfalt und des Potenzials der regionalen Unternehmen.“
Eine mitwachsende Erfolgsgeschichte
Die Hochstraße Innovativ ist eine Erfolgsgeschichte, die mit den Jahren gewachsen und sich mit den Entwicklungen mit verändert hat. Mario Janisch, der seit 29 Jahren in die Organisation der Messe eingebunden ist, erinnert sich an die ursprünglichen Überlegungen der beiden Autohäuser Lind und Jesch, wie sie die Besucherzahl der jeweiligen Messen steigern könnten. Daraus entstand die Idee, die Automessen zu bündeln und auch die benachbarten Betriebe Faustmann und damals noch Glatz mit ins Boot zu holen. Mit wenigen Besuchern gestartet, stieg die Zahl mit den Jahren stetig. Vor allem ab den 2000er-Jahren habe es einen „massiven Anstieg“ gegeben, so Janisch und nennt den neuen Stellenwert von Regionalität sowie die Teilnahme der Firma ELT, die neue Impulse einfließen lasse. „Und das Schöne ist: Fast alle Branchen werden abgedeckt und bilden einen Querschnitt durch die gesamte Wirtschaft des Wechsellandes.“
In den 30 Jahren ihres Bestehens war es für den Erfolg der Messe stets entscheidend, zeitgemäß aufzutreten. Das betrifft einerseits die Kommunikation: Früher wurde die Messe vor allem über Print beworben, heute spielt auch Social Media eine wichtige Rolle. Auch bei den Ausstellern zeigt sich ein Wandel: Früher war der Handel sehr stark vertreten, mittlerweile nutzen auch Vereine, Produzenten, Schulen bis hin zu Architekten die Möglichkeit, bei der Messe präsent zu sein. Auch die Innovationen, der Aufhänger der Gewerbeschau, sind im ständigen Wandel. „Mit neuen Techniken und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz tun sich neue Themen für Kunden auf, über die sie sich bei unseren Ausstellern hautnah informieren können“, so Janisch.
Von Anfang an dabei
Auch bei den Ausstellern kommen immer wieder neue Branchen und Firmen dazu, einige sind aber auch von Anfang an dabei. Dass sich gerade bei Letzteren in den vergangenen 30 Jahren vieles verändert hat, zeigt sich zum Beispiel bei der Firma Michäler in Friedberg. War das Fußbodenlegen bei den ersten Messen noch das Hauptgeschäft, ist dieses zugunsten des Bereiches Tapezieren zurückgegangen. Seit einigen Jahren wurde zudem die Textilbranche in den Betrieb aufgenommen, indem direkt im Haus Arbeitskleidung inklusive Stickereien produziert werden. Für Geschäftsführer Ferdinand Michäler jun., der den Betrieb mittlerweile in sechster Generation führt, sind es vor allem die Gespräche in lockerer Atmosphäre mit den bestehenden Kunden, die den Reiz der Hochstraße ausmachen. Auch die Firma Pona Rolladen in Pinggau ist von Anfang an dabei. Ihr ursprünglicher Schwerpunkt auf Fenster und Türen hat sich hin zu Beschattungen aller Art verlagert. Außerdem produziert die Firma seit vier Jahren eine Markise am Standort selbst – mit fast ausschließlich österreichischen Komponenten. Als regional verwurzelter Betrieb sei die Teilnahme an der Hochstraße selbstverständlich, so Geschäftsführer Peter Narnhofer, der den Betrieb vor knapp einem Jahr übernommen hat.
Neue Aussteller
Zum ersten Mal dabei war der Malermeister Patrick Mauerbauer aus Dechantskirchen. Er sieht in der Messe vor allem die Gelegenheit, den Steinteppich als Bodenbelag-Alternative zu Fliesen für Terrassen, Zugangswege und Eingangsstiegen vorzustellen. Das Messewochenende wollte er auch dazu nutzen, mit zahlreichen Interessierten persönliche Gespräche zu führen und aufkommende Fragen direkt zu beantworten. Genau das sieht er als großen Vorteil der Messe: zeigen, was er als Betrieb anbietet, und ein direkter Ansprechpartner sein.
Bei all den Veränderungen über die letzten drei Jahrzehnte blieb eines doch konstant: der Termin Anfang März. Die Hochstraße Innovativ läutet seit jeher das Messejahr ein, was laut dem Organisationsteam rund um Mario Janisch ihr Erkennungsmerkmal ist.
Initiator Hermann Lind erinnert sich an die Anfänge der Hochstraße Innovativ bei einem Glas Bier:
WLZ: Was war damals der Auslöser für die Idee zur Hochstraße?
Ganz ungezwungen habe ich an einem Freitagabend gemeinsam mit Josef Jesch bei einem Glas Bier überlegt, wie wir bei unseren Autoausstellungen mehr Besucher anziehen könnten. Schnell war klar, dass wir gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollen. Auch die beiden Firmenchefs Manfred Faustmann und Ing. Franz Glatz, deren Firmen zwischen uns positioniert sind, konnten wir für eine gemeinsame Messe begeistern.
Es stand uns kaum Geld für Werbung zur Verfügung und so bekam jeder die Aufgabe, zumindest 100 Personen einzuladen, also Kunden, Nachbarn und Freunde. Mit 400 Besuchern wäre das schon ein Erfolg.
Im darauffolgenden Jahr haben bereits über zehn Firmen bei der Messe mitgemacht. Mittlerweile sind es rund 60 Aussteller, die zwischen 3.000 und 4.000 Besucher anlocken. Das macht die Gewerbeschau Hochstraße Innovativ zur bestbesuchten Veranstaltung im Wechselland.
WLZ: Welche Rolle spielt die Hochstraße heute für den Wirtschaftsstandort?
Vor allem die Möglichkeit, geballt auf ein Wochenende mit so vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, wird von den Firmen als besonders positiv gesehen. Wenn aus all den Interessierten nur zehn Prozent zu Kunden werden, ist das eine enorme Zahl.
Auf der anderen Seite haben wir viele Firmen, die immer wieder ausstellen. Sie berichten, dass nicht bei der Messe selbst das große Geschäft gemacht wird. Meist melden sich die Leute erst Monate später bei ihnen und beziehen sich auf ein bei der Messe geführtes Gespräch.
WLZ: Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für regionale Unternehmen?
Gerade beim aktuellen Abdriften der Kunden ins Onlinegeschäft zeigt das Interesse an der Messe, dass Beratung und der Vorteil einer direkten Ansprechperson weiterhin wichtig sind. Wir zeigen der Bevölkerung, dass auch die Betriebe vor Ort gute Ware haben. Das ist einer der Urgedanken, wieso wir die Messe ins Leben gerufen haben.
WLZ: Was war Ihr persönlich stolzester Moment in diesen 30 Jahren?
Einer meiner persönlichen Höhepunkte war sicher der Besuch von Landeshauptfrau Waltraud Klasnic bei der Messe. Sie hat die Besucher unterhalten und sich wirklich viel Zeit genommen und geplaudert.
Bei einer anderen Messe habe ich für die Ansprachen drei Frauen auf die Bühne gebeten – und keinen einzigen Mann. Das wurde mir ein Jahr lang vorgehalten. Das war vor circa 25 Jahren, als ich einfach mal was anderes machen wollte.



