Der dritte Pollenflug
16. Juni 2026 | WLZ 136 | Autorin: Stefanie Schadler
Kräuterpollen sorgen im Spätsommer für eine dritte Belastungsphase bei Allergikern. Besonders Ambrosia gilt als aggressiver Allergieauslöser.
Kräuter als Allergieauslöser
Nach Baum- und Gräserpollen beginnt für viele Allergiker mit den Kräuterpollen eine dritte Belastungsphase. Da sie sich mit den Pollenflugzeiten der Gräserpollen überschneiden und ähnliche allergische Reaktionen auslösen, können sie leicht miteinander verwechselt werden. Hier sorgt nur ein Allergietest beim Arzt für Klarheit.
Aber was ist eine Kräuterpollenallergie? Viele Pflanzen werden als Kraut bezeichnet, darunter Küchenkräuter, Heilkräuter und Unkräuter, die sich in Gärten, Rasenflächen, Feldern, Wiesen, am Wegesrand und in Wäldern befinden. Bei dieser Vielzahl von Kräutern sind es aber vor allem Ambrosia (Ragweed), Beifuß, Wegerich und Brennnessel, auf die Menschen allergisch reagieren. Vor allem Ambrosia ist extrem aggressiv und kann schon in kleinen Mengen heftige Beschwerden auslösen und hat zudem eine lange Saison.
Verantwortlich für die allergische Reaktion, die sich in einem allergischen Schnupfen zeigen, sind die Pollen der Kräuterpflanzen. Bei Allergikern reagiert das Immunsystem auf harmlose Kräuterpollen mit Antikörpern, da es diese als schädlichen und damit gefährlichen Eindringling einstuft. Dadurch ist der Organismus gegen Kräuterpollen sensibilisiert. Beim nächsten Kontakt mit Kräuterpollen reagiert das Immunsystem sofort mit den Symptomen einer Allergie. Dazu zählen eine verstopfte, laufende und juckende Nase, Niesen, und ein Gefühl von Schleim, der den Rachen hinunterläuft. Im Gegensatz zu einer Erkältung wird ein klarer Schleim eher mit Heuschnupfen assoziiert. Manche Kräuter lösen bei Berührung mit der Haut einen Ausschlag aus. Durch den Pollenkontakt über die Luft kann Ambrosia weiters bei manchen Menschen einen Ausschlag verursachen, der juckt, rötlich ist und in der Regel hinter den Ohren, im Gesicht, am Hals oder in der Armbeuge auftritt.
Kreuzallergien erkennen
Wie bei allen Pollenallergien kann es auch bei einer Kräuterpollenallergie zu Kreuzreaktionen kommen, die mit Juckreiz in Mund und Rachen einhergehen. Beim Verzehr bestimmter roher Gemüse- oder Fruchtsorten, Samen oder Nüssen verwechselt das Immunsystem die Proteine in Nahrungsmitteln mit jenen in bestimmten Kräuterpollen. Diese Kreuzreaktionen beruhen auf einer Ähnlichkeit von Allergenen unterschiedlicher Allergenquellen. So kann eine Allergie gegen Ambrosia beim Verzehr von Melonen eine solche lokale Reaktion auslösen. Eine weitere Kreuzreaktion begünstigt das Beifuß-Sellerie-Syndrom.
Von einer Kreuzallergie zu unterscheiden sind klassische Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten, bei denen das Lebensmittel selbst die Beschwerden auslöst. Dennoch sind sich die allergischen Reaktionen sehr ähnlich, darunter Juckreiz oder Kribbeln im Mund, im Gesicht, auf der Zunge oder im Rachen, aber es kann auch zu schwerwiegenden allergischen Reaktionen kommen.
Die stärkste Belastung von Kräuterpollen besteht im Spätsommer zwischen Juli und September, mit der höchsten Konzentration im Monat August. Vor allem am Morgen ist sie am höchsten. Neben einer ärztlichen Abklärung sollte der Kontakt mit Kräuterpollen möglichst reduziert werden. Polleninformationsdienste geben dabei einen Überblick über die aktuellen Belastungen. Als Behandlung gibt es eine symptomatische Therapie mit Medikamenten oder eine spezifische Immuntherapie.
Hintergrund Ambrosia:
Ambrosia kommt ursprünglich aus Nordamerika und hat sich unter anderem über Samen im Vogelfutter ausgebreitet. Mittlerweile ist sie in Südosteuropa, Österreich, der Schweiz und Deutschland angekommen. Die Pflanze wächst vor allem auf gestörten Böden wie Straßen- und Bahnrainen, Baustellen und landwirtschaftlichen Flächen, darunter vor allem auf Sonnenblumen-, Mais- und Sojaäckern. Ambrosiapollen zählen zu den stärksten Allergieauslösern. Die Hauptbelastung ist von August bis in den späten Herbst. In der EU ist die Einfuhr ambrosiahaltiger Futtermittel inzwischen verboten.



