KI entlastet den Menschen, ersetzt ihn aber nicht

18. Februar 2026 | WLZ 132 | Autorin: Stefanie Schadler

Übersetzungen, das Berechnen von Teigmengen oder das Beantworten von E-Mails: Zwei Tourismusbetriebe im Wechselland berichten von ihren Erfahrungen.

Florian Reithofer vom Alpengasthof Enzian

Foto © Niederösterreich Werbung : Sophie Menegaldo

Sanfte KI-Unterstützung

„Ich mag alte Sachen und Zeiten und deshalb dauert es immer etwas länger, bis bei mir etwas Neues durchsickert“, so Florian Reithofer vom Alpengasthof Enzian. Dennoch hat er mittlerweile erkannt, dass KI in gewissen Bereichen unterstützen kann. Nach seiner Teilnahme am KI-Workshop „KI im Tourismus“ vom Haus der Digitalisierung in Niederösterreich nutzt er KI nun zum Beispiel zur Gestaltung der Kinder-Speisekarte, die er mit kindgerechten Bildern und Emojis in nur wenigen Minuten ergänzen kann.

Auch in der Kommunikation mit den Kunden setzt er ChatGPT sanft ein, will aber die persönliche Note beibehalten. „KI kann hier eine Stütze bei Formulierungen sein, die Rechtschreibung und Grammatik verbessern, aber letzten Endes schreiben wir unseren Kunden noch immer selbst.“

Genau das Abhandenkommen dieser persönlichen Kommunikation und der Beschäftigung mit dem Kunden sieht er durch KI gefährdet. Und am Ende verleite KI auch dazu, Denkaufgaben zu schnell abzugeben: „Portionsmengen in der Küche können von der KI schnell berechnet werden. Aber wenn ich im Kopf keine einfachen Prozentrechnungen mehr schaffe, läuft etwas schief“, so Reithofer. Ganz klar äußert er sich gegen KI-gestützte Preisgestaltung je nach Auslastung: „Ich sehe nicht ein, wieso Familien mehr zahlen sollen, weil sie nur zu den Hauptzeiten Urlaub machen können.“

Begeistert von den Möglichkeiten

Christa Aflenzer von der Pension Koderholt hat bereits ChatGPT im Betrieb genutzt und wollte durch den KI-Workshop weitere Anwendungsmöglichkeiten kennenlernen. Sie nutzt KI im Betrieb vor allem für das Beantworten von E-Mails. Über die Skischule kommt es immer wieder vor, dass über den Zeitraum von zwei Tagen rund 80 E-Mails zu beantworten sind. Für solche Fälle erstellt sie mithilfe von ChatGPT einen vorgefertigten E-Mail-Text für das jeweilige Anliegen und tauscht dann nur noch Name und Datum aus. Dabei gibt sie das Grundgerüst für den Text ein, ChatGPT macht daraus eine schöne runde Formulierung. „Manchmal versteht mich ChatGPT falsch, aber zu 90 Prozent passen die Ergebnisse“, so Aflenzer, für die Kontrolle auch weiterhin wichtig ist. Es gibt bereits KI, die E-Mails automatisch an Kundenanfragen versendet, „aber da traue ich mich nicht drüber, das ist mir zu riskant“.

Auch beim Erstellen von Excel-Dateien für Berechnungen oder beim Schreiben auf Englisch ist ihr KI eine große Stütze: Hier schreibt sie ihren Text auf Deutsch und die KI übersetzt sekundenschnell. Auch ihr Logo konnte sie kürzlich mittels KI innerhalb kürzester Zeit in ein neues gewünschtes Format umwandeln. „Ich hätte dafür vermutlich Tage gebraucht, mit ungewissem Ergebnis. Aber auch in anderen Bereichen sehe ich: Wenn ich durch den Einsatz von KI eine halbe Stunde einsparen kann, ist das eine halbe Stunde mehr Zeit für mich.“ Wie überall im Internet sei für sie auch bei KI Vorsicht geboten. Persönliche Daten würde sie nicht eingeben. „Man muss vernünftig agieren und aufpassen“, so Aflenzer.

Beide Beispiele zeigen, dass Künstliche Intelligenz im Tourismus dort sinnvoll eingesetzt wird, wo sie entlastet. Gleichzeitig setzen sie bewusst dort Grenzen, wo persönliche Verantwortung und Erfahrung gefragt sind.

Die Workshopreihe „KI IM TOURISMUS“ ist eine Kooperation des Hauses der Digitalisierung, der Wirtschaftskammer Niederösterreich und der Niederösterreich Werbung mit den Tourismusdestinationen. Für Tourismusbetriebe ist die Teilnahme kostenlos.