Über Verantwortung und Gedenken
16. Oktober 2026 | WLZ 139 | Autorin: Stefanie Schadler
Der Österreichische Kameradschaftsbund pflegt die Kriegerdenkmale in den Gemeinden und hält mit Gedenkveranstaltungen die Erinnerung an die Kriegsopfer lebendig. Gleichzeitig wirft der Rückgang von Ortsverbänden die Frage auf, wer künftig die Verantwortung für diese Denkmale übernimmt.
Gerade die Namenstafeln wie jene am Kriegerdenkmal in Schäffern sind wichtig und machen jene Soldaten greifbar, die gefallen oder nicht heimgekommen sind.
Bedeutung von Namen
Die Denkmale der Region bewahren und der verstorbenen Soldaten gedenken: Die Existenz des Österreichischen Kameradschaftsbundes ist eng mit dem Kriegsgeschehen in Österreich verknüpft. Der Landesverband berichtet von einem steiermark-weiten Rückgang der Ortsverbände, was durch Corona noch verstärkt wurde. Zusätzlich sorgte die Gemeindestrukturreform dafür, dass drei bis vier Verbände zu einem einzigen zusammengelegt wurden. Die aktuell über 70.000 Mitglieder sind auf 328 Ortsverbände (OV) verteilt, wobei es fast in jedem ein eigenes Kriegerdenkmal gibt, um das der OV sich kümmert. Fällt ein OV weg, etwa aufgrund einer zu geringen Mitgliederzahl, ist damit auch immer die Frage verbunden, was mit dem Kriegerdenkmal passiert, das die Ortsstelle betreut hat. Einerseits geht die Verantwortung auf den Grundstückseigentümer über, der entweder eine Gemeinde, eine Kirche oder eine Privatperson ist. Vor allem kleine Bauten am Straßenrand seien oft gefährdet, wenn sie zum Beispiel im Zuge von Straßenarbeiten im Weg sind. Interessant ist dabei, dass lediglich zehn Prozent dieser Denkmäler vom Bundesdenkmalamt geschützt sind. Laut Ingrid Heuberger, Kultur- und Denkmalbe- auftragte für den Landesverband, sei dadurch allerdings nur das Monument geschützt, nicht aber die Namenstafeln der gefallenen Soldaten. „Aber welchen Wert hat ein Kriegerdenkmal ohne Namenstafeln für jene Soldaten, die gefallen oder nicht heimgekommen sind?“, verweist Heuberger auf Fälle, in denen die Namenstafeln in ein leeres Grab geworfen wurden. „Wir befinden uns in einer Gedenkschuld. Es gibt immer noch Familien, die mit den Gefallenen auf den Namenstafeln in irgendeiner Weise verbunden sind“, so Heuberger.
Erinnern als Antrieb
Um den Bestand und den Zustand der Kriegerdenkmäler in der Steiermark auf den neuesten Stand zu bringen, wurden vom Landesverband Erfassungsblätter an die Ortsverbände verschickt. Es wird auch eruiert, wer für die Betreuung verantwortlich und wer der Grundstückseigentümer ist. Ein engagierter Ortsverband ist zum Beispiel jener in St. Loren-zen am Wechsel. Hier wurde in den Jahren 2023/2024 das Kriegerdenkmal renoviert und im Folgejahr eine 100-Jahr-Feier veranstaltet. Die 155 Mitglieder sind vorwiegend älteren Semesters, aber laut Obmann Christian Haider gibt es auch 30- und 40-Jährige, die durch Aktivitäten wie Zimmergewehrschießen für den Verein begeistert werden konnten. Auch möchte der Verein die Tradition der Salutschüsse wieder einführen, die früher bei Begräbnissen von Kameraden üblich gewesen waren. Dabei werden während des Kamera-denlieds drei Schüsse abgegeben. Als Vorbereitung dazu musste ein Schützenkurs besucht werden, an dem vier vorwiegend junge Mitglieder aus St. Lorenzen teilnahmen. Die Wehrdienstberatung ist eine weitere Aufgabe der Ortsstelle und eine Gelegenheit, mit den jungen Menschen in Kontakt zu kommen. „Wenn man nicht aktiv wird, verliert sich alles schleichend“, begründet Haider das Engagement des Verbandes. Mittlerweile seien auch jüngere Mitglieder im Ausschuss sowie bei Ausrückungen vertreten, was sehr positiv sei. Haider selbst hat vor fünf Jahren die Obmannschaft übernommen. Zu dieser Zeit war der Fortbestand des Ortsverbands gefährdet. Für ihn war es wichtig, dass man sich weiter um die Kriegerdenkmäler kümmert: „Die laufende Pflege ist wichtig, denn wenn das Denkmal verkommt, was bleibt dann noch?“
Gedenken ohne Zeitzeugen
Auch in Schäffern befindet sich ein Kriegerdenkmal, das Anfang der 1920er-Jahre für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs an der Kirchenaußenmauer erbaut wurde. 1951/52 wurde es um die gefallenen Soldaten im Zweiten Weltkrieg erweitert. Es handelt sich dabei um eine schwarze Marmorwand, in der die Namen in Gold zu lesen sind. Der Ortsverband ist für dessen Pfle-ge verantwortlich und rückt es vor allem zu Allerheiligen in den Vordergrund. Dabei wird die Kirche umrundet, ein Kranz niedergelegt und eine Ansprache gehalten. Dem Obmann Josef Zinkl ist es dabei wichtig, dass sich die Leute wieder mehr auf das Miteinander besinnen. „Wenn jeder für sich selbst lebt, stirbt die Kameradschaft“, so der Obmann. Es werde der Soldaten, der Verstorbenen sowie jener gedacht, die im aktuellen Kriegsgeschehen ihr Leben geben. „Gerade in der heutigen Zeit wird manchmal salopp gesagt, die verstorbenen Soldaten hätten ja nicht in den Krieg ziehen müssen. Dabei wird nicht bedacht, dass zu dieser Zeit nicht alles freiwillig war. Viele Familien sind außerdem dem Kriegstreiben zum Opfer gefallen, gerade weil sie nicht direkt am Krieg beteiligt waren“, betont Zinkl die Wichtigkeit, den Kriegsopfern zu gedenken – insbesondere in einer Zeit, in der Zeitzeugen immer weniger werden und damit die direkte Erinnerung verblasst. So wurde im vergangenen Jahr der letzte Zeitzeuge aus Schäffern beerdigt.



