Wenn nach den Feiertagen die Stille bleibt
20. Jänner 2026 | WLZ 131 | Autorin: Stefanie Schadler
Sobald die Lichterketten wieder im Karton verschwinden, kehrt eine besondere Art von Ruhe ein. Für manche ist sie heilsam, andere ertragen sie überraschend schwer. Der Übergang vom Trubel zur grauen Winterroutine bringt oft Gefühle zum Vorschein, die im Dezember kaum Platz hatten.
Foto © MAZKO VADIM
Emotionaler Monat
Die Feiertage, begleitet von glitzernden Lichtern, Tannennadelduft und gemeinsamen Stunden mit Familie und Freunden, sind bereits Teil unserer Erinnerung. Langsam pendeln sich die sozialen Kontakte wieder auf ein normales Niveau ein und der Alltag kehrt unaufhaltsam zurück. Während für viele Menschen das Einhaken in bestehende Strukturen normal ist, ist dieser Kontrast zwischen Trubel und Ruhe für andere Menschen besonders emotional. Auch nicht erfüllte Erwartungen oder belastende Familienkonstellationen können sich negativ auswirken. Die kurzen Tage im Winter und das nasskalte Wetter drücken zusätzlich auf die Stimmung. Gerade durch den Mangel an Tageslicht wird das Hormon Melatonin verstärkt ausgeschüttet, was zu Müdigkeit, Schlappheit und Lustlosigkeit führt.
Laut einer aktuellen Studie der WHO vom 30. Juni 2025 ist jeder sechste Mensch weltweit von Einsamkeit betroffen. Alarmierend ist diese Zahl vor allem deshalb, weil die Auswirkungen auf die Gesundheit noch immer unterschätzt werden. Wissenschaftliche Erkenntnisse schreiben ihr psychische und körperliche Folgen zu, wobei sich die Risiken für Herzerkrankungen, Schlaganfälle, Diabetes, kognitive Beeinträchtigungen, Depressionen bis hin zum vorzeitigen Tod erhöhen. Besonders Jugendliche, ältere Erwachsene und marginalisierte Gemeinschaften werden als Risikogruppe genannt.
Kleine Kontakte und Rituale
Dabei müssen Nähe und Gemeinschaft nicht immer so groß sein wie zu Weihnachten oder anderen Festtagen. Bereits kleine, spontane Kontakte wirken mehr, als man denkt. Sei es ein kurzer Austausch beim Bäcker oder eine Begegnung beim Spaziergang im Ort: Bei Mikrobeziehungen handelt es sich nicht um enge Freundschaften, sondern um lose und unkomplizierte Kontakte, durch die dennoch authentische und inspirierende Gespräche entstehen können. Wer mit aufmerksamem Blick auf Menschen zugeht, hat die Möglichkeit zum Austausch. Dadurch entsteht ein Gefühl der Zugehörigkeit und Gemeinschaft.
Eine weitere wirksame Maßnahme ist die Einführung kleiner Rituale. Diese schaffen die Möglichkeit, Stress abzubauen, etwa wenn man am Abend ein Buch in die Hand nimmt oder leise Musik hört. Sie stärken soziale Bindungen durch Familienessen oder das Treffen mit Freunden. Sie fördern auch emotionale Stabilität, indem sie in Zeiten der Veränderung ein Gefühl der Beständigkeit geben. Das kann zum Beispiel ein Morgenritual sein: eine Tasse Tee trinken oder in ein Tagebuch schreiben. So beginnt der Tag mit einer positiven stabilen Grundlage. Ein schönes Ritual gerade im Winter: eine Dankbarkeitsliste, in die man jeden Tag drei Dinge einträgt, für die man dankbar ist. Das kann etwas Großes sein wie die Liebe der Familie oder auch kleine Freuden wie der Duft von frisch gebackenem Brot oder schöne Erinnerungen an die eigene Kindheit.
Bewegung und realistische Ziele
Gerade im stressigen Alltag ermöglichen kleine Bewegungseinheiten, nicht nur die allgemeine Fitness, sondern vor allem die Stimmung sofort positiv zu beeinflussen. Der Vorteil dieser Bewegungshappen ist ihre kurze Dauer von nur sieben bis zehn Minuten, die den Vorwand eines Zeitmangels aushebeln. Als mögliche Aktivitäten werden Treppensteigen, Krafttraining oder ein Schneespaziergang genannt. Durch die kurze Dauer ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass diese Aktivitäten ein fixer Bestandteil im Alltag werden – und sie bieten somit gerade im Winter großes Potential.
Generell sind Bewegung im Tageslicht und Spaziergänge auf offenen, lichtreichen Flächen gerade in den Wintermonaten entscheidend, da die Sonnenstrahlung nicht ausreicht, um ausreichend Vitamin D zu bilden. Dafür werden zehn bis 20 Minuten empfohlen, am besten in der Mittagspause zwischen elf und 14 Uhr. Dennoch reicht das in den Monaten Oktober bis März oft nicht aus und eine Supplementierung wird empfohlen.
Der Jänner wird mehr als jeder andere Monat als Neuanfang gesehen, als ein Zeitpunkt, sich neue Ziele zu setzen, sei es privat oder beruflich. Während es motivierend ist, an deren Umsetzung zu arbeiten, bedeutet es aber auch Druck, den hohen Erwartungen gerecht zu werden. Wichtig ist es daher, dass diese auch realistisch sind. Eine Möglichkeit sind „Mini-Ziele“. Das sind kleine, erreichbare Schritte, die sich auf unterschiedliche Lebensbereiche wie Gesundheit, Karriere oder Finanzen aufteilen. Einen Liter Wasser pro Tag trinken, 50 Euro pro Woche einsparen oder täglich 15 Minuten an einem Projekt arbeiten – das motiviert, da man laufend mehrere kleine Erfolge feiern kann, die auf das große Ganze einzahlen.
Mit leisen Schritten ins Jahr
Bei all den Erwartungen, die das neue Jahr mit sich bringt: Der Jänner ist das, was wir aus ihm machen. Mit leisen Schritten ins Jahr zu gehen heißt, der Hoffnung wieder Raum zu geben. Einsamkeit mag im Jänner deutlicher spürbar sein, aber sie ist kein Zustand, dem wir machtlos ausgeliefert sind. Jede kleine Begegnung, jedes bewusste Atemholen im Winterlicht und jedes Ritual sind ein sanfter Schritt hinaus aus der Schwere. Veränderung beginnt selten laut – sie beginnt im Kleinen, im Alltäglichen, oft unscheinbar. Und genau darin liegt ihre Kraft. Der Jänner erinnert uns daran, dass wir nicht alles sofort schaffen müssen. Es reicht, wenn wir mit etwas beginnen.



