Wenn das Handy Pause hat
18. März 2026 | WLZ 133 | Autorin: Stefanie Schadler
Kein WhatsApp im Bus, keine Social-Media-Pause nach dem Essen: Für eine Klasse im Gymnasium Sachsenbrunn bleibt das Smartphone drei Wochen lang ausgeschaltet.
In einer Gruppe – und doch jeder für sich. Beendet das Handyexperiment womöglich diesen Trend?
Foto © Freepic
Social-Media-Nutzung im Fokus
Ob E-Mail, Terminkalender oder Social Media – das Handy ist für viele zum Rund-um-die-Uhr-Begleiter geworden. Was aber, wenn man bewusst seine Handyzeit reduziert oder das Handy für eine gewisse Zeit sogar ganz weglegt? Wie wirkt sich die Nutzung von Social Media auf den Körper und die Psyche aus? Auch international wird die Wirkung sozialer Medien zunehmend diskutiert. So hat Australien ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren beschlossen. Das eigene Social-Media-Verhalten zu reflektieren ist somit aktueller denn je.
Genau in diese Richtung geht auch das Handyexperiment, bei dem Schüler ab der fünften Schulstufe in ganz Österreich und darüber hinaus teilnehmen können. Während des Experiments vom 4. bis 24. März werden die Schüler von Lehrern und Eltern begleitet. In dieser Zeit bleiben die Smartphones bewusst abgeschaltet. Jene, die ihr Handy behalten wollen, können als Kontrollgruppe ebenfalls teilnehmen.
Schüler als Initiatoren
Zum Zeitpunkt der Befragung für diesen Artikel ist eine Klasse im Gymnasium Sachsenbrunn seit einer Woche Teil des Experiments. Hier herrscht in der Unterstufe seit diesem Schuljahr ein generelles Handyverbot. Den Ausschlag für die Teilnahme gab die DOK1-Sendung „Drei Wochen Handy-Entzug – Das Experiment“, die sich die Schüler gemeinsam im Unterricht kurz vor den Weihnachtsferien angesehen haben. Das eigene Handyverhalten, aber auch das Experiment selbst wurden im Anschluss daran mehrere Wochen lang diskutiert. „Die Schüler hatten schließlich selbst die Idee, am österreichweiten Experiment teilzunehmen“, so Dominic Brandstätter, der die Klasse in dieser Zeit begleitet. Alle der insgesamt 25 Schüler sind Teil des Projektes, fünf davon in der Kontrollgruppe.
Zwischen Motivation und Nervosität
Die anfängliche Motivation und Vorfreude auf das Experiment waren kurz vor dem tatsächlichen Start von Nervosität begleitet, so Brandstätter. Vor allem die Trennung von den sozialen Medien sowie organisatorische Überlegungen wurden thematisiert. Wie werden künftig die Treffen mit Freunden ablaufen? Wie wird das Schulmaterial an jemanden weitergegeben, der nicht in der Schule war? Einer der Schüler hat sich laut Brandstätter sogar ein einfaches Tastentelefon besorgt, damit er zumindest telefonisch erreichbar ist. Zum Start machten sie ein gemeinsames kurzes Video, im Anschluss wurden die Handys zeitgleich abgeschaltet.
Eltern als Vermittler
Auch abseits der Schule sorgt der Wegfall des Handys für Umstellungen. So können sich die Kinder nicht wie gewohnt bei den Eltern melden, wenn sie früher nach Hause kommen oder vielleicht einmal den Bus verpassen. „In dieser Hinsicht müssen die Eltern ihren Kindern sehr vertrauen“, so Brandstätter. Außerdem helfen die Eltern auch beim Organisieren von Treffen mit Freunden, da diese manchmal den Kontakt zu deren Eltern herstellen müssen.
Als Lehrer nimmt Brandstätter auch selbst am Experiment teil, wobei ihm die sozialen Medien nicht fehlen. Viel problematischer sei für ihn, dass er für andere oft nicht erreichbar ist. Als Beispiel nennt er das Vereinbaren eines Termins in der Autowerkstatt. Aber auch für solche Fälle fand er Lösungen. Sein Resümee nach der ersten Woche: „Ich vermisse mein Handy nicht wirklich, stattdessen genieße ich die zusätzliche freie Zeit sogar sehr.“
Das Experiment zeigt, wie stark das Handy den Alltag prägt und wie schnell sich Jugendliche dennoch auch ohne Smartphone neu organisieren können. Es bleibt die Frage, inwiefern sich diese 21 Tage auf die künftige Handynutzung auswirken werden. Wir werden wieder nachfragen.
Schüler berichten von ihren Erlebnissen:
Stefanie Schützenhofer:
WLZ: Wieso nimmst du daran teil?
Mich interessiert, wie ich mich selbst dabei fühle und ob ich es aushalten kann, kein Handy zu haben.
WLZ: Was ist die größte Umstellung für dich?
Ich habe immer im Bus Handy geschaut und auch WhatsApp genutzt. Das nicht mehr zu können, war eine große Umstellung.
WLZ: In welchen Momenten merkst du am stärksten, dass dir das Handy fehlt?
Am öftesten nach dem Essen. Das war die Zeit, in der ich einfach oft eine ganze Stunde mit dem Handy überbrückt habe.
WLZ: Was machst du jetzt in Situationen, in denen du früher zum Handy gegriffen hättest?
Ich lese viel mehr und übe auch mehr mit der Gitarre. Ich lerne auch öfter für die Schule. Ohne das Handy am Schreibtisch liegen zu haben, fällt es mir außerdem viel leichter, mich zu konzentrieren.
WLZ: Wie wirst du nach dem Experiment mit dem Handy umgehen?
Ich möchte versuchen, meine Bildschirmzeit auf ein Minimum beschränkt zu lassen.
Ferdinand Biffl:
WLZ: Wieso nimmst du daran teil?
Weil es mich interessiert, ob ich es schaffe.
WLZ: Was ist die größte Umstellung für dich?
Man kann nicht immer auf sein Handy schauen, wenn man Zeit hat.
WLZ: In welchen Momenten merkst du am stärksten, dass dir das Handy fehlt?
Bei Passwörtern. Wenn ich mich mit jemandem treffen oder mit jemandem telefonieren will.
WLZ: Was machst du jetzt in Situationen, in denen du früher zum Handy gegriffen hättest?
Backen.
WLZ: Wie wirst du nach dem Experiment mit dem Handy umgehen?
Ich werde es oft vergessen und ich werde viel weniger draufschauen.



