Weniger Pollen, mehr Lebensqualität
29. April 2026 | WLZ 134 | Autorin: Stefanie Schadler
Mit dem Projekt „Pollencare“ sollen Grünflächen so gestaltet werden, dass sie für Allergiker verträglicher werden. Dabei stehen Information, Planung und neue Ansätze in der Gartengestaltung im Mittelpunkt.
Birke
Foto ©: Johannes_M._Bouchal
Pollenallergien im Steigen
Die steigenden Temperaturen bringen den Frühling – für viele aber auch Niesen, juckende Augen und Atemprobleme. Pollenallergien nehmen zu und betreffen immer mehr Menschen. Laut Polleninformationsdienst leidet ein großer Teil der Allergiker in Österreich an Pollenallergien. Gründe für die gesteigerte Sensibilität sind die steigenden Temperaturen, wodurch sich die Pollensaison verlängert: Sie beginnt früher und dauert länger und intensiver an. Auch stark allergene invasive Pflanzen wie Ragweed wandern aufgrund der milderen klimatischen Bedingungen in höhere Lagen und gedeihen in bisher weniger betroffenen Regionen. Ein weiterer Grund ist die höhere CO2-Konzentration in der Atmosphäre: Viele Pflanzen produzieren mehr Pollen, wodurch sich ihre allergene Wirkung erhöht.
Vor allem vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Kinder und Personen mit Vorerkrankungen wie Asthma oder Neurodermitis gilt es deshalb zu schützen. Das ungarisch-österreichische Projekt „Pollencare“ hat genau das zum Ziel: die Information der Bevölkerung sowie die langfristige Reduktion hochallergener Pflanzen. Auch die Marktgemeinde Mönichkirchen ist eine von sieben beteiligten Gemeinden in Österreich.
Informationsweitergabe entscheidend
Die Beschäftigung mit der Luftqualität ist für Mönichkirchen als heilklimatischer Luftkurort nichts Neues. Auch der bestehende Baumkataster, in dem alle gemeindeinternen Pflanzen abgebildet sind, war eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme am Projekt und gibt einen idealen Überblick über sinnvolle Eingriffe in der Zukunft.
Ein wichtiger Punkt ist die Informationsweitergabe an die Bevölkerung. Dazu wurde auf der Gemeindewebsite eine Plattform eingerichtet, auf der die Pollenbelastung und -vorhersage maßgeschneidert und tagesaktuell für die Marktgemeinde abrufbar sind. „Das gibt Allergikern die Möglichkeit, ihren Alltag besser an die aktuelle Pollenbelastung anzupassen“, so Dr. Markus Berger, Leiter des Österreichischen Polleninformationsdienstes. Bereits seit Jahren verfolgt er die Grundzüge dieses multifaktoriellen Ansatzes, dessen Ziel es ist, Pollenallergiker und deren Beschwerden zu mildern und ihren Alltag wieder angenehmer zu machen.
Aber nicht nur der Zugang der Allergiker zu Informationen zum Pollenflug ist Teil des Projektes, sondern auch die „Allergenkarenz“. Das ist jene Zeit, in der kein bis wenig Kontakt zu Allergenen besteht und die nachweislich direkt auf das Wohlbefinden Einfluss hat. Um diese pollenarme Zeit möglichst zu verlängern, ist es wichtig, einerseits allergene Pflanzen auf lange Sicht zu reduzieren und zugleich verstärkt auf allergenarme zu setzen.
Erholung schaffen
Dazu werden Hobbygärtner, aber vor allem professionelle Gärtner informiert, die für die Gestaltung öffentlicher Plätze und Parks zuständig sind. Im Fokus steht dabei eine ausgewogene Planung, die die Bedürfnisse von Allergikern berücksichtigt. Es sollen verträglichere Grünflächen entstehen, die zudem ökologisch wertvoll sind und Orte der Erholung darstellen – auch für Allergiker. Als Beispiel nennt Berger die Purpurerle: Sie wird aktuell gerne von Gärtnern in öffentlichen Parks gepflanzt, weil sie robust ist und optisch ansprechend wirkt. Allerdings beginnt diese je nach Temperatur bereits im Dezember zu blühen und somit bereits früher als die Frühblüher Erle und Hasel.
Das Pilotprojekt leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität in der Region, sondern schafft auch eine Grundlage für zukünftige Planungen. Ziel ist es, öffentliche Räume so zu gestalten, dass sie für möglichst viele Menschen – auch für Allergiker – erholsam bleiben.
Pollee – KI-gestützter Informationsdienst
„Pollee“ ist eine KI-gestützte Anwendung auf polleninformation.at. Sie liefert Hintergrundinformationen zu Pflanzen, Diagnose und Therapie sowie Antworten auf häufige Fragen rund um Pollenallergien. Da es sich um ein geschlossenes System handelt, bleiben alle Anfragen auf den eigenen Servern. www.polleninformation.at/pollee
Tipps bei allergischen Reaktionen auf Pollen:
• Pollenwarnsysteme für die Tagesplanung nutzen
• Zu bestimmten Zeiten lüften: in der Stadt morgens, am Land abends
• Pollenschutzgitter und -filter nutzen
• Kleidung sowie Bettwäsche regelmäßig wechseln und öfter die Haare waschen
• Nach dem Aufenthalt im Freien duschen
• Ausreichend Wasser trinken, um die Schleimhäute feucht zu halten



