Die zweite Allergiewelle

22. Mai 2026 | WLZ 135 | Autorin: Stefanie Schadler

Mit der Gräserblüte beginnt für viele Allergiker die längste Belastungsphase des Jahres, die bis in den Spätsommer reichen kann.

Foto © Katharina Bastl/MedUni Wien/Pollenservice Wien

Längste Belastung für Allergiker

Mit Ende Mai ist die höchste Pollenbelastung durch Frühblüher wie Birke und Hasel vorbei. Doch wer glaubt, damit das Schlimmste hinter sich zu haben, irrt. Teilweise bereits im Mai spürbar, kommt es mit den Gräserpollen in den Sommermonaten zur stärksten Belastung der Allergiker. Hier sind vor allem die Pollen verschiedener Süßgräser dominante Allergene, aber auch das Getreide zählt zu den Gräsern und verursacht bei Allergikern typische Beschwerden. Da Gräser große Mengen an Pollen über den Wind verbreiten, gelten sie als eine der entscheidenden Ursachen für Pollenallergien.

Sie sind die Hauptauslöser von Heuschnupfen, der mit einer laufenden oder verstopften Nase, tränenden und juckenden Augen sowie ständigem Niesen einhergeht. Sie können aber auch Asthma verschlimmern.

Im Unterschied zu vielen Baumpollen betreffen Gräserpollen eine besonders große Zahl an Allergikern. Die Vielzahl der Gräserarten sorgt dafür, dass die Belastung oft über mehrere Monate anhält.

Zusätzlich verlängert der Klimawandel die Gräsersaison: Das Knäuelgras blüht heutzutage etwa zwei Wochen früher als noch vor Jahrzehnten. Ziergräser, die gerne im urbanen Raum gepflanzt werden, verlängern die Saison bis in den Spätsommer hinein. Gleichzeitig sorgen invasive Arten wie Hundszahngras oder Bluthirse zunehmend für Belastungen bei Allergikern.

Was der Klimawandel nicht beeinflusst, ist hingegen die Gesamtpollenmenge der Gräser, die laut Katharina Bastl vom Pollenservice Wien der MedUni Wien tendenziell stabil bleibt.

Pollenfreisetzung wichtiger Faktor

Wer unter einer Getreidepollenallergie leidet, bei dem können die Pollen von Getreidesorten wie Roggen, Gerste, Weizen oder Hafer typische Symptome des Heuschnupfens hervorrufen. Doch nicht alle Getreidesorten wirken gleich stark: Während Roggen eine große Menge hochallergener Pollen freisetzt, gilt Weizen aufgrund seines geringen Pollenflugs als deutlich weniger problematisch.

Experten gehen davon aus, dass bestimmte Eiweißstoffe in den Pollen im Körper allergische Reaktionen auslösen. Als eine Behandlungsmöglichkeit von Heuschnupfen werden symptomlindernde Medikamente wie Antihistaminika und kortisonhaltige Nasensprays eingesetzt. Um den Ursachen der Beschwerden entgegenzuwirken, wird die Hyposensibilisierung eingesetzt, die das Immunsystem über einen Zeitraum von drei Jahren an Allergene gewöhnt.

Um den Alltag von Allergikern generell zu erleichtern, bieten sogenannte Pollenflugvorhersagen wie auf www.geosphere.at eine gute Orientierung. Hier finden sich aktuelle Pollenbelastungen sowie Vorhersagen über die kommenden Tage, nach denen man seinen Tagesablauf längerfristig planen kann. Wer aktiv dabei mitmachen möchte, diese Vorhersage zu verbessern, kann zum Beispiel die Website phenowatch.at der ZAMG nutzen. Hier kann man seine Beobachtungen und Aufzeichnungen zu Blühzeiten diverser Bäume, Sträucher und Gräser eintragen, womit man maßgeblich zur Vervollständigung des phänologischen Gesamtbildes beiträgt.

Tipps zur Vermeidung von Pollen:

• Sport sollte bei hoher Pollenbelastung nach drinnen verlegt werden, denn je mehr Luft eingeatmet wird, desto mehr Pollen werden mit eingeatmet.

• Die Gartenarbeit sollte nicht von Personen vorgenommen werden, die an einer Pollenallergie leiden. Das betrifft vor allem das Rasenmähen, da durch das Schneiden des Grases zusätzliches Allergen frei wird.

• Blühende Getreide- und Rapsfelder meiden.

• Ausflugsziele richtig planen: Da die Blüte der Gräser in tieferen Lagen früher beginnt, kann man zu Beginn der Graspollensaison in höhere Lagen ausweichen.

• Sonnenbrille und -hut bieten zusätzliche Schutzbarrieren gegen den vermehrten Kontakt mit Pollen und können die Belastung reduzieren.

• Pollenschutzgitter verhindern mit ihrer speziellen Struktur das Eindringen von etwa 90 Prozent der Pollen durch geöffnete Fenster.

• Im Freien getragene Kleidung nicht im Schlafzimmer wechseln.

• Gewaschene Kleider nicht an der Luft trocknen lassen, da sich Pollen besonders im feuchten Gewebe leicht sammeln.

• Duschen und Haarewaschen auf den Abend verlegen, damit man möglichst pollenarm schlafen gehen kann.

Tipps bei Kindern:

Gerade Kinder können ihre Beschwerden oft nicht genau beschreiben, daher sollten die Eltern vor allem auf Verhaltensauffälligkeiten achten. Anzeichen für eine Allergie sind meist häufiges Niesen – vor allem im Freien – eine klare, wässrige Nase über längere Zeit und juckende und gerötete Augen. Auch anhaltende Müdigkeit und Konzentrationsprobleme in der Schule können auf einen Heuschnupfen hindeuten. Wiederholen sich die Beschwerden jedes Jahr zur gleichen Zeit, spricht das auch für eine Pollenallergie.

Im Unterschied zu einer Erkältung fehlt bei Heuschnupfen in der Regel die erhöhte Temperatur, während sich eine Erkältung häufig damit beginnt. Auch fehlt bei einer Allergie das Krankheitsgefühl und auch in der Dauer gibt es Unterschiede: Während sich eine Erkältung nach sieben bis zehn Tagen bessert, halten Allergiesymptome über Wochen an und verstärken sich an Tagen mit einer hohen Pollenbelastung.

Ein Allergietest beim Kinderarzt kann Klarheit verschaffen. Bei begründetem Verdacht ist dieser bereits im Säuglingsalter möglich. Besonders aussagekräftig sind Allergietests meist zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr, da das Immunsystem dann weiter entwickelt ist.