Herbstgarten: Die richtige Balance finden

16. Oktober 2026 | WLZ 139 | Autorin: Stefanie Schadler

Dort aufräumen, wo Schädlinge überwintern, und unangetastet lassen, wo Nützlinge ihr Quartier beziehen. Die Arbeiten im Herbst drehen sich genau um diesen Balanceakt, damit der Garten im Frühjahr wieder kraftvoll durchstarten kann.

Abgeblühte Stauden und Gräser sollten erst im Frühling zurückge-schnitten werden, da sie zahlreichen Insekten Winterquartiere bieten.

Foto © Bettina Schopfhauser

Laub im Garten nutzen

Den Garten für den Herbst vorzubereiten, bedeutet einerseits, Laub oder Fallobst zu entfernen, damit Schädlinge reduziert werden. Andererseits sollte man dabei nicht zu gründlich sein, da ein Laubhaufen oder stehende Stauden den Tieren Winterquartiere und Futter für den Winter liefern. Zahlreiche Schädlinge und Pilze überwintern an Fallobst, Fruchtmumien, Falllaub unter Obstbäumen und Rosen, Rindenritzen, Gewächshaus-Ritzen, Kübelerde und Boden. Wer diese Stellen im Herbst bereinigt, kann den Startbefall im Frühjahr deutlich senken. Vieles aus dem Garten kann auch sinnvoll genutzt werden, etwa als Kälteschutz und zur Kompostherstellung. Während krankes Laub entfernt werden sollte, ist gesundes Laub ideal zum Mulchen. Dabei werden offene Bodenflächen im Garten drei bis fünf Zentimeter mit Laub bedeckt, wodurch der Boden vor Bodenerosion und Austrocknung geschützt und die Bodenstruktur verbessert wird. Zudem werden dadurch Bodenlebewesen wie der Regenwurm gefördert. Zusätzlich kann das Laub bei Stauden oder Kübelpflanzen, die im Freien überwintern, vor Frost schützen. Töpfe werden dazu in einen Jutesack gestellt und dicht mit Blättern befüllt. Wird Laub im Garten zu einem Haufen gestapelt – gemeinsam mit Totholz, morschen Ästen und Rinden –, liefert es zahlreichen Nützlingen wie Igeln, Salamandern, Molchen, Blindschleichen, Laufkäfern und Erdkröten einen Unterschlupf im Winter. Auch Marienkäfer, Spinnen und andere Insekten können dort überwintern. Für Zaunkönig und Rotkehlchen sind diese Insekten im Winter eine gute Futterquelle. Viele dieser Tierarten helfen zudem im kommenden Jahr, Schädlinge im Garten ökologisch in Schach zu halten. An einigen Stellen macht es durchaus Sinn, das Falllaub zu entfernen, etwa von Rasenflächen. Bei Feuchtigkeit würden die schwer und dicht aufliegenden Blätter die licht- und lufthungrigen niedrigen Gräser ersticken.

Samen- und Fruchtstände

Pflanzenstängel sind gute Winterquartiere für Insekten und Spinnen. Auch manche Wildbienen legen ihre Eier in Pflanzenstängel und verholzte Stauden. Vögel finden in Sträuchern mit Samen oder Beeren viel natürliches Winterfutter. Hagebutten und Pfaffenkapperl, Beeren von rotem Hartriegel, Weißdorn und Liguster sehen schön aus und eignen sich als Vogelfutter sehr gut. Die oberirdischen Pflanzenteile über den Winter stehen zu lassen, schützt zudem die angelegten Triebknospen bis zum kommenden Frühling. Außerdem sind abgestorbene Pflanzenteile und Samenbestände nur auf den ersten Blick einheitlich braun. Bei näherer Betrachtung zeigen sich zahlreiche Farbnuancen und Schattierungen von fast Schwarz über verschiedene Braun- und Rottöne hin zu Fahl-gelb und Weiß. Je mehr Arten mit unterschiedlichen Strukturen und Farben in einem Beet kombiniert werden, desto interessanter zeigt sich das Farbenspiel im Herbst. Daher ist es besser, mit dem Rückschnitt von abgeblühten Stauden und Gräsern bis zum Frühling abzuwarten. Der Herbst ist zudem ideal zum Pflanzen von Stauden und Zier-pflanzen, da der Boden noch warm ist und die Wurzeln gut an – wachsen können. Zu den Herbst-blühern zählen die Herbstanemo – ne, Astern, Zierkohl, Fetthennen oder Purpurglöckchen, auch Bo – dendecker und Strukturpflanzen wie Efeu, Seggen, Silberblatt und Lampenputzergras können jetzt gepflanzt werden. Dabei soll- Foto © Freepic KI und Bettina Schopfhauser ten die Pflanzlöcher doppelt so groß sein wie der Wurzelballen und gut gewässert werden. Eine Mulchschicht schützt zusätzlich vor Frost und speichert die Flüssigkeit. Neben Heckenpflanzen und Ziersträuchern können auch Obstbäume im Herbst gepflanzt werden. So können sie vor dem Winter noch Wurzeln bilden und anwachsen.

Obstbäume pflegen

Ob langjähriger Bestand oder neu gepflanzt im Herbst: Obstbäume bleiben bei richtiger Pfle-ge lange gesund und schenken reiche Ernte. Grundsätzlich wird vom Herbstschnitt abgeraten, weil die Wundheilung zu dieser Zeit eingeschränkt beziehungsweise verzögert ist und Krankheitserreger oder Frost leichter eintreten können. Was man dagegen im Herbst tun kann, um zum Beispiel den Schädlingsdruck im kommenden Jahr zu reduzieren, ist das regelmäßige Aufsammeln von Fallobst, das möglichst weit vom Baum kompostiert werden sollte. So können vorhandene Larven das Obst nicht rechtzeitig verlassen und sich zur Verpuppung nicht in den Boden oder Rindenritzen zurückziehen. Wer Hühner zu Hause hat, kann sie öfter in den Garten treiben, da die Schädlingslarven und Puppen schmackhaft für sie sind. Ein Kalkanstrich schützt den Stamm nicht nur vor Frostrissen, sondern verschließt auch die ritzenartigen Überwinterungs-möglichkeiten für Schädlinge. Fruchtmumien an den Zweigen – das sind eingetrocknete, mit Fruchtmonilia befallene Früchte – werden vor dem Winter ebenfalls entfernt, damit der Baum nicht von dessen Pilzsporen im nächsten Jahr infiziert wird. 

Vitalstoffe von der Fensterbank

Wer auch im Winter „weitergarteln“ und nicht auf seine selbst-produzierte Dosis Vitamine und Mineralstoffe verzichten möchte, könnte das Pflanzen sogenannter „Microgreens“ überlegen. Das sind junge Gemüsepflänzchen, die im Gegensatz zu Sprossen nicht in Wasser gekeimt, sondern wie beim Gemüseanbau in Erde vorgezogen werden. Die Keimlinge enthalten Vitalstoffe in besonders hohen Mengen. Untersuchungen des USDA fanden bei verschiedenen Microgreens im Durchschnitt etwa fünfmal höhere Konzentrationen bestimmter Vitamine und Carotinoide als bei den ausgewachsenen Pflanzen – mit großen Unterschieden je nach Art. Einen solchen Minigarten kann jeder auf seiner Fensterbank selbst kultivieren. Dazu wird eine Aussaatschale oder eine Auflaufform mit etwa drei Zentimeter Anzuchterde gefüllt. Das Substrat wird leicht angedrückt und danach das Saatgut locker darauf ausgestreut, danach wieder leicht angedrückt und mit etwas Erde bestreut. Mit einer Sprühflasche wird die Erde gut angefeuchtet und an ein helles, warmes Fenster ohne direktes Sonnenlicht gestellt. Das Substrat sollte durch tägliches Besprühen feucht gehalten werden. Sollte das Saatgut faulen oder zu schimmeln beginnen, darf es nicht mehr gegessen werden. Es empfiehlt sich, Bio-Saatgut von schnellwüchsigen Kräuter- und Gemüsearten wie Radieschen, Rucola, Brokkoli, Senf, Basilikum, Erbsen und Pak Choi zu kaufen. Je nach Gemüseart werden die jungen Pflänzchen nach zehn bis vierzehn Tagen fingerbreit über der Erde abgeschnitten und sofort gegessen. Sie können im Salat oder Smoothie, auf dem Brot oder als Teil eines Topfenaufstrichs verwendet werden.

Dekorationsideen mit Kindern im Herbst:

• Blätter zu sammeln ist die ideale Idee, um mit Kindern den Nachmittag im Freien zu verbringen. Danach kann man das bunte Laub dicht an dicht zu einem Kranz auffädeln und mit einer schönen Schleife schmücken. Das eignet sich als dekorativer Türkranz.

• Die Blätter können auch in flüs-siges Wachs getaucht werden. Nach dem Trocknen können die Blätter zur Herstellung eines Mobiles oder als herbstlicher Fensterschmuck genutzt werden.

• Windlicht mit Herbstblättern: Ein großes Glas locker mit bunten trockenen Herbstblättern füllen und eine batteriebetriebene LED-Lichterkette mit feinem Draht dazwischenlegen. Das Batteriefach kann unter dem Laub versteckt werden. Wer möchte, ergänzt Eicheln, Kastanien oder Tannenzapfen. Durch das Licht kommen Farben und Blattadern besonders schön zur Geltung.