Erinnerungen bewahren: Soldatenfriedhöfe

16. Oktober 2026 | WLZ 139 | Autorin: Stefanie Schadler

Sie erinnern an die letzten Kriegstage in der Region und an jene Menschen, die dabei ihr Leben verloren haben. Viele Soldatengräber im Wechselland entstanden in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs. Ein Teil der Gefallenen wurde später umgebettet, einige Grabstätten sind bis heute erhalten. Noch immer werden Gebeine gefunden. Ihre Identifizierung wird zunehmend schwieriger.

Die achteckige Gedenkkapelle am Hochwechsel erweitert seit 1966 den im Jahr 1945 für Gefallene angelegten Soldatenfriedhof.

Kämpfe in den letzten Kriegswochen

Es gibt im Wechselland keine Hinweise auf große Soldaten- oder Massenfriedhöfe aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert. Auch von Gefallenen früherer kriegerischer Ereignisse sind keine bekannten Spuren erhalten. Kriegsgefangene des Ersten Weltkriegs, die während ihres Aufenthalts im Wechselland durch Krankheit oder Arbeitsunfälle ums Leben kamen, wurden auf öffentlichen Friedhöfen bestattet. Diese Gräber sind mittlerweile großteils verschwunden. Prägend für die Region waren vor allem die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs. Im April und Mai 1945 wurden das Wechselland, das Joglland und das Semmeringgebiet zum Kampfgebiet zwischen deutschen und sowjetischen Einheiten. Viele Gefallene beider Seiten wurden noch während der Kampfhandlungen oder kurz danach in der Region bestattet. Besonders betroffen waren der Hoch- und Niederwechsel sowie die Räume Eichberg und Festenburg. Wie viele Soldaten tatsächlich ums Leben kamen, ist bis heute nicht vollständig erforscht. Es wird jedoch davon ausgegangen, dass mehrere Hundert deutscher und mehrere Hundert sowjetischer Soldaten bei den Kämpfen im Wechselland gefallen sind.

Bergung und Umbettung

Bereits im Sommer 1945 begann die Bergung der Gefallenen. Kriegsgefangene der sowjetischen und britischen Besatzungsmächte wurden eingesetzt, um deutsche Soldaten im Wechselland, Jogl-land und am Semmering zu exhumieren und auf Soldatenfriedhöfe umzubetten. Ab Herbst 1946 beteiligten sich auch Gemeinden und Pfarrgemeinden des Wechsellandes daran, die Überreste der Gefallenen zu bergen und neu zu bestatten. Sowjetische Soldaten wurden in neu angelegte Soldatenfriedhöfe überführt. Größere Friedhöfe für sowjetische Gefallene entstanden unter anderem in Neunkirchen, Wiener Neustadt, Hartberg und Oberwart. Gefallene aus dem Wechselland, die später noch gefunden wurden, wurden meist dorthin umgebettet. Viele deutsche Soldaten waren zunächst auf Ortsfriedhöfen bestattet worden. Die meisten von ihnen wurden in den späten 1940er- und 1950er-Jahren exhumiert und auf größere Soldatenfriedhöfe überführt. Noch in den späten 1950er-Jahren wurden Tote gefunden, die bis dahin nicht auf Soldatenfriedhöfen bestattet worden waren.

Soldatenfriedhof Niederwechsel

Am Niederwechsel kümmerten sich nach dem Zweiten Weltkrieg sogenannte „Heimkehrer“, also ehemalige Kriegsgefangene, um die Errichtung eines Soldatenfriedhofes. Bereits 1948 gab es Bestrebungen, den Friedhof wieder aufzulassen und die dort bestatteten Gefallenen nach Hartberg zu verlegen. Dies konnte jedoch verhindert werden. Seit 1949/50 findet dort alljährlich am ersten Sonntag im August eine Feldmesse statt. 1967 wurde der Soldatenfriedhof wesentlich erneuert. Um 1970 wurden die Gefallenen zur Identifikation exhumiert. Dennoch sind bis heute einige Tote unbekannt. Je nach Auskunft liegen 19 oder 20 Gefallene am Soldatenfriedhof Niederwechsel. Im Wechselland und in seinem Umfeld gibt es zahlreiche Soldatenfriedhöfe mit mehreren Tausend Gefallenen. Für deren Pflege zeigen sich das Schwarze Kreuz und der Österreichische Kameradschaftsbund verantwortlich.

Gefallene identifizieren und beisetzen

Das Schwarze Kreuz betreut im Wechselland gemeinsam mit dem ÖKB und den Gemeinden Kriegsgräberanlagen in Dechantskirchen und in St. Lo-renzen am Wechsel sowie jenes auf der Vorauer Schwaig. Insgesamt gibt es in der Steiermark 134 Soldatenfriedhöfe und Kriegsgräberanlagen, die vom ÖSK betreut und erhalten werden. Bei der ÖSK Landesgeschäftsstelle Graz gehen zudem sehr viele Nachforschungsaufträge ein. Dabei sind sie bei der Suche nach Vermissten und nach der Lage des Grabes in Österreich und im Ausland behilflich. Auch heute werden immer noch sterbliche Überreste gefunden und exhumiert. Gerade in Gebieten, in denen schwere Kampfhandlungen stattgefunden haben, wurden die Gefallenen meist nur schnell verscharrt. Durch Bauarbeiten, Forstarbeiten oder Überschwemmungen kommen auch heute noch Gebeine zum Vorschein. Die Identifizierung wird zunehmend schwieriger, weil die Erkennungsmarken teilweise sehr verwittert sind oder erst gar nicht gefunden werden. Auch anhand von Uniformresten wie Stiefeln lässt sich die Zugehörigkeit zu einer Armee ablesen. Zudem wird je nach Nationalität dem Nachfolgestaat der Fund des Soldaten bekannt gegeben. Wurde ein Gefallener identifiziert, ist das ÖSK darum bemüht, Angehörige zu finden und zu klären, ob er eventuell in die Heimat überführt werden oder auf einem Soldatenfriedhof in Österreich seine letzte Ruhe finden soll. Auch Gedenkzeremonien werden veranstaltet, um die Verständigung und Aussöhnung mit den Gegnern von einst zu ermöglichen. Das gepflegte Erscheinungsbild von diesen Gräbern soll in der heutigen Zeit daran erinnern, welches schreckliche Leid Kriege in der Region verursacht haben. Es soll nicht vergessen werden, welchen hohen Stellenwert der Frieden auch in der heutigen Zeit noch hat, so die ÖSK-Landestelle.

Quelle: Historischer Verein Wechselland