Häuser und ihre Bewohner

16. Oktober 2026 | WLZ 139 | Autorin: Stefanie Schadler

Die Geschichte von Häusern und ihren Besitzern, aber auch die jahrhundertelange Entwicklung von Familienlinien wurde über ein aktuelles Geschichtsbuch zur Gemeinde Dechantskirchen erarbeitet.

Historiker Dr. Andreas Salmhofer (links) und Bürgermeister Günter Tromayer mit dem neuen Geschichtsbuch über Dechantskirchen.

Foto © Stefanie Schadler

Besitzgeschichte über Jahrhunderte

Bei den Arbeiten an einem neuen historischen Buch stieß der Historiker und Autor Dr. Andreas Salmhofer auf die Nennung von zwei extrem alten Bauernhöfen aus dem 14. Jahrhundert. Dieser für ihn überraschende Fund könnte eine punktuelle Erwähnung oder ein Zufallsfund sein. „Es kann aber auch bedeuten, dass die Erwähnung mit der Ritterwirtschaft zusammenhängt. Bauern selbst haben damals nichts dokumentiert, für Ritter war das hingegen sehr wichtig“, so Salmhofer zur möglichen Bedeutung dieser beiden Bauernhöfe. Mit dem Buch „Dechantskirchen im Wechselland – Besiedelungs-geschichte und historisches Häuserverzeichnis“ erhielt die Gemeinde Dechantskirchen einen umfangreichen Überblick über die Besitz- und Besiedlungsgeschichte des Ortes und seiner Umgebung. Über Jahrhunderte hinweg wird darin dokumentiert, wie sich Grundbesitz, Hofnamen und Familienlinien entwickelt haben. Es spiegelt damit die sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen einer ganzen Region wider. Gottfried Allmer erhielt dafür den Auftrag der Gemeinde, das historische Grundbuch des gesamten Gemeindegebietes, das im Landesarchiv Graz aufliegt, zu durchforsten und abzuschreiben. Aktuelle Aufnahmen – vorwiegend aus der Luft – sowie alte Landkarten und historische Postkarten ermöglichen einen Vergleich zwischen früher und heute. Zudem bietet das Buch die Möglichkeit zur Ahnenforschung. Die Gebäudegeschichten und die Nennung der Vulgonamen erleichtern hierbei die Arbeit, da man die alten Grundbücher nicht selbst durchlesen muss. Die Bedeutung des Buches reicht über die Gemeinde hinaus, weiß Salmhofer aus eigener Erfahrung: Er selbst ist in Pinggau aufgewachsen, aber sein Großvater stammt aus Dechantskirchen.

Herausforderung historischer Recherche

Eine Herausforderung bei der Arbeit mit so alten Daten sind die punktuellen Aufzeichnungen und das Füllen dieser Löcher. Es kommt durchaus vor, so Salmhofer, dass ein Bauernhof einmal im 16. Jahrhundert genannt wird und dann erst 150 Jahre später wieder. Dazwischen können mehrere Generationen liegen, ohne dokumentiert zu sein. Diese galt es durch Zurückrechnen sowie den Vergleich mit Abgaben, Vulgonamen, Urbarien etc. zu rekonstruieren. Eine weitere Kunst, die zugleich auch fehleranfällig ist, besteht darin, herauszufinden, ob es sich um dieselben Bauernhöfe handelt. Das kann an den Originalquellen liegen, in denen sich Irrtümer finden, oder an dem System der Hausnummern. „Es wird angenommen, dass die Hausnummern im Laufe der Zeit dreimal geändert wurden, aber nicht in allen Orten gleichzeitig und nicht bei allen Gebäuden“, zeigt Salmhofer, wie viel Interpretation zwischen den einzelnen Quellen erforderlich ist. Ab etwa 1650/1700 wurden die Grundbücher durchgehend geführt, wodurch sich nachvollziehen lässt, wer der Besitzer war. Das Buch lädt somit gleich mehrfach zur Nachforschung ein: hinsichtlich der Geschichte einzelner Höfe, eigener Familienlinien und der Entwicklung der Gemeinde über viele Jahrhunderte hinweg. Auftrag- und Herausgeber ist die Gemeinde Dechantskirchen, das Buch ist am Gemeindeamt erhältlich.