Die Sache mit dem Rasen
18. März | WLZ 123 |
Expertentipp von: Gerlinde Blauensteiner, Gärtnermeisterin
Der langersehnte Frühling lockt uns jetzt in den Garten. Manch einem vergeht dabei sogleich das beschwingte Frühlingsgefühl und Sorge macht sich breit. Dort, wo im letzten Jahr noch dichter Rasen war, findet er jetzt Flecken, Kahlstellen und Moos. Ärger mischt sich in die Sorge, eine gewisse Hilflosigkeit bleibt über. Der Gartenmensch kommt ins Grübeln: Überall, wo in der Natur Pflanzen abgefressen werden, lassen die, die das tun, etwas zurück. Ja, genau – und deshalb wächst in der freien Natur alles so gut.
Der Rasenmäher hält zwar den Bewuchs kurz, aber – er gibt nichts zurück! Selbst bei Mulchmähern und Rasenrobotern verbraucht der Verrottungsvorgang den Nährstoff, der im Schnittgut enthalten ist – also eigentlich ein Nullsummen-Spiel. Rasengräser haben einen Nährstoffbedarf wie Mais, also extrem hoch! Bei jedem Mähvorgang wird etwas genommen – zurück kommt aber nichts. Der Schnee und die Kälte geben dem hungrigen Rasen den Rest. Was er jetzt im Frühling dringend braucht ist vor allem Nahrung! Moos und Unkräuter kommen mit viel weniger Nährstoff aus, sie vertragen dafür nährstoffreiche Böden schlecht. Der Stickstoff-Gehalt im Boden bestimmt, ob Rasengräser oder blättrige Beikräuter besser gedeihen. Wir Gartenmenschen sind tief im Herzen Naturliebhaber und beim Wort „Kunstdünger“ beschleicht uns – zu Recht – ein ungutes Gefühl. Aber was ist zu tun?
Die Lösung heißt organischer Langzeitdünger! So werden fein-geschrotete organische Abfälle bezeichnet, die zuerst einmal die Lebewesen im Boden ernähren. In guten Gartenböden wohnen pro m² etwa 2 kg Mikroorganismen, 370 g Einzeller, 5 g Borstenwürmer, 10 g Springschwänze und 400 g Regenwürmer. Allerdings nur, wenn sie genug Futter haben! Zugegeben: unterm Mikroskop sehen sie schauerlich aus, aber – sie fressen gerne organischen Langzeitdünger und düngen mit ihren Ausscheidungen unsichtbar und verlässlich direkt an den Wurzeln. Dabei graben sie feinste Gänge und lüften damit den Boden. Genauso hat sich der Rasen das gewünscht
Wenn ich Mitte April und Ende Juni kräftig organischen Langzeitdünger auf meinen Rasenflächen verteilte, summe ich vor mich hin. Das mache ich schließlich auch, wenn ich meine Katzen füttere!
Ich wünsche Ihnen einen prachtvollen Frühling im Garten!
Ihre Gärtnermeisterin
Gerlinde Blauensteiner
Hattmannsdorf 16, 2852 Hochneukirchen
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