Ein Blick hinter die Kamera
18. März 2026 | WLZ 133 | Autorin: Stefanie Schadler
Der mittlerweile seit 20 Jahren in Feistritz am Wechsel beheimatete Wolfgang Jindra war während seines gesamten Berufslebens Kameramann beim ORF. Er gibt Einblicke in seinen Arbeitsalltag inklusive Veränderungen und Highlights.
Wolfgang Jindra in Spanien.
Vom Bild- zum Zeitfaktor
40 Jahre lang war Wolfgang Jindra Kameramann beim ORF. Rund um die Welt unterwegs, bei Sportereignissen, Konzerten und Interviews mit prominenten Persönlichkeiten. Trotzdem sagt er heute: „Diesen Beruf würde ich nicht noch einmal wählen.“ Er begründet das mit den veränderten Berufsanforderungen.
Aber zurück an den Anfang: Eher durch Zufall kam Jindra, der damals in Wien lebte und eigentlich Fotograf werden wollte, über eine Ferialpraxis zum ORF. Der Job gefiel ihm, dem ORF gefiel seine Arbeit, und so wurde eine Fixanstellung daraus. Als Angestellter wurde er dort eingesetzt, wo gerade ein Kameramann gebraucht wurde. Von Dokumentationen über Sport bis hin zu Studioproduktionen – die Arbeit war abwechslungsreich und unregelmäßig, Wochenendeinsätze und Dienstreisen waren an der Tagesordnung. Besonders reizvoll war es für ihn, die besten Standorte für Aufnahmen zu finden. Mittlerweile würden Veranstalter die Aufnahmen sehr stark reglementieren. Es gehe nicht mehr um das Erzeugen von Spannung, sondern darum, wer wie lange im Bild sein soll.
Momente im Off
Bei all den schillernden Persönlichkeiten, die er durch seine Arbeit miterleben durfte, waren es doch die Momente abseits der Kamera, an die er sich besonders lebendig zurückerinnert. So etwa der Wandel eines Prominenten, der nach einem kurzen Interview das Fachwissen des Redakteurs erkannte und sich daraufhin eine weitere Stunde in lockerer Atmosphäre Zeit zum Plaudern nahm. Er erinnert sich an das Zusammenspiel von Musikern, die sich abseits eines TV-Formats an ihren jeweiligen Instrumenten regelrecht duellierten und zu Höchstleistungen anspornten. Oder der gemeinsame Besuch eines Würstelstandes mit José Carreras, während die Fans vor der Oper für ein Autogramm Schlange standen. „Wenn einem Berichte dorthin führen, wo andere keinen Zugang haben, und es einen dann auch noch persönlich interessiert, sind das besonders nachhallende Momente“, so Jindra. Doch viele Erlebnisse seien auch schon wieder verblasst, ganz im Sinne von: „Was ich heute mach ist jetzt aktuell und morgen vergessen.“
Veränderter Fokus
In den vier Jahrzehnten seiner Arbeit hat sich der Beruf des Kameramanns stark verändert. So wurde durch den Fortschritt das Team aus Kameramann, Ton- sowie Lichttechniker und Assistent immer kleiner. Mittlerweile genügt oft schon ein Ein-Mann-Team. „Früher hat man bei einem Interview darauf geachtet, dass sich der Vorder- vom Hintergrund mittels der richtigen Beleuchtung abhebt. Jetzt fehlt dafür meist die Zeit“, so Jindra. Besonders deutlich wird der Wandel beim Thema Zeit, als er noch mit Filmrollen arbeitete. Bei Dreharbeiten in Innsbruck wurde zum Beispiel die Filmrolle mittels Zugs zum Wiener Bahnhof transportiert und dort entgegengenommen. Am Küniglberg wurde sie schließlich entwickelt, zusammengeschnitten und der Beitrag im Fernsehen gesendet. Mittlerweile werden die Aufnahmen mittels SIM-Karten ins Studio geschickt und können quasi sofort ausgestrahlt werden.
Jindra erinnert sich auch an die Zeiten, in denen ORF-Angestellte Ideen für Sendungen umsetzten. „Heute macht man nach“, so Jindra und nennt als Beispiel die Millionenshow, bei der sich Armin Assinger das Studio wochenweise mit Günther Jauch teilt.
Seit drei Jahren ist Jindra nun in Pension und erfreut sich am gesellschaftlichen Leben in Feistritz am Wechsel. Vor 20 Jahren hat ihn „eine Fügung des Schicksals“ ins Wechselland geführt. In einem kleinen Bauernhaus genießt er nun die Ruhe. Eine Möglichkeit, die er zuvor in seinem hektischen Arbeitsleben kaum nutzen konnte.


