Ein Gebäude als gelebte Firmenphilosophie

22. Mai 2026 | WLZ 135 | Autorin: Stefanie Schadler

Das neue Firmengebäude des Büros für Erneuerbare Energie Riebenbauer in Pinggau spiegelt jene Werte wider, die das Unternehmen seit Jahren prägen: Regionalität, Ressourcenschonung und ein gelingendes Miteinander.

Fotos: © Andreas Buchberger

Gewachsen mit den Anforderungen

„Ein optischer Hingucker mit Wohlfühlbüros, eingebettet in ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis. Besser geht’s nicht.“ So beschreibt Leo Riebenbauer sein neues Firmengebäude in Pinggau, das nach neunmonatiger Bauzeit im Jänner fertiggestellt wurde. Mit einer Nutzfläche von 747 Quadratmetern bietet es ausreichend Platz für die mittlerweile 20 Mitarbeiter.

Vor allem der gesteigerte Platzbedarf war es, der zum Neubau geführt hat: Am alten Standort startete das Unternehmen als Ein-Personen-Büro im Jahr 1990. Damals war Riebenbauer eines der ersten Planungsbüros, das sich mit erneuerbarer Energie beschäftigte. Die Nahwärmeversorgung für die eigene Heimatgemeinde, Pinggau, war Leo Riebenbauers erstes Projekt. Über die Jahre ist die Firma gewachsen; die Aufträge kommen mittlerweile nicht mehr nur aus Österreich, sondern auch aus dem europäischen Ausland. Der eingeschlagene Weg hat sich bestätigt, der Ausstieg aus Öl und Gas hat durch die geopolitischen Konflikte der letzten Jahre an Dringlichkeit gewonnen. Doch für Riebenbauer endet Nachhaltigkeit nicht bei der Energieversorgung, sondern beginnt bereits beim täglichen Arbeiten im Miteinander.

Sozial gedacht

Leo Riebenbauer beschreibt die soziale Komponente als die Basis des Gebäudes. „Wir haben viel Fläche gewonnen, aber keinem Nachbarn die Sicht verstellt“, so der Geschäftsführer, dem ein harmonisches Miteinander mit den Anwohnern besonders wichtig ist. Das Raumkonzept entstand gemeinsam mit den Mitarbeitern, deren Bedürfnisse entsprechende Ideen kreierten: Anstelle eines Großraumbüros gibt es Einzel- und Gruppenbüros, was vor allem Telefongespräche oder die Teilnahme an Videokonferenzen enorm erleichtert. Hohe Räume, großflächige Fenster und Holzbauweise spiegeln den ökologischen Ansatz der Firma wider und werden durch Betonbauelemente als thermische Speichermasse ergänzt. Die Innentüren haben Raumhöhe. „Ich habe endlich Türen, durch die ich nicht mehr gebückt durchgehen muss“, so der fast zwei Meter große Geschäftsführer schmunzelnd. Bei der Umsetzung wurde mit regionalen Firmen aus dem Burgenland, der Steiermark und Niederösterreich zusammengearbeitet.

Energiekreislauf nutzen

Anstelle einer Neuversiegelung wurde das Planungsbüro am Standort eines seit 30 Jahren leerstehenden Gebäudes errichtet. Das integrierte Energiekonzept ist das Herzstück des Neubaus: Das Photovoltaik-Kraftwerk mit einer Leistung von 77,4 Kilowatt-Peak deckt an sonnigen Tagen den gesamten Büro-Eigenbedarf sowie die E-Mobilität der Firmenflotte ab. Überschüsse werden in den Stromspeicher eingespeist. Solarthermie unterstützt die Warmwasserbereitung und das Heizsystem der Fußbodenheizung. Angeschlossen ist das Gebäude an das lokale Nahwärmenetz – genau jenes Netz, das Leo Riebenbauer einst als erstes Projekt umgesetzt hat.

Mittlerweile wird er durch Wolfgang Artner und Josef Riebenbauer in der Geschäftsführung verstärkt. Im Gespräch erzählt Leo Riebenbauer, was er für eine gelingende Energiewende als besonders wichtig erachtet: „Wir passen unsere Energieplanung immer an die örtlichen Gegebenheiten an und achten dabei auf ganzheitliche Konzepte, die der Effizienz und Nachhaltigkeit oberste Priorität einräumen.“ Das Firmengebäude zeigt, wie technische Innovation, regionale Ressourcen und soziale Verantwortung zusammenspielen können.