Ein Spaziergang zwischen heimischen und fremden Arten

06. Oktober 2026 | WLZ 138 | Autorin: Stefanie Schadler

Im Umgang mit invasiven Neophyten ist es wichtig, diese einzudämmen sowie heimische Arten bei der Pflanzung zu bevorzugen. Ein Spaziergang durch den Stadtgraben in Friedberg, organisiert von der ansässigen Berg- und Naturwacht, lieferte aufschlussreiche Informationen.

Das Drüsige Springkraut kann bis zu drei Meter hoch werden und wurzelt flach in der Erde. Es wächst rasch und baut große, dichte Populationen auf.

Foto (c) Stefanie Schadler

Die Balance anstreben

Manchmal erreichten sie über die Schifffahrt andere Länder, manchmal als Teil von Vogelfutter. Der Großteil der Neophyten wurde allerdings absichtlich in ein fremdes Land gebracht, weil sie schön anzusehen waren. Als sogenannte Zierpflanzen verursachten viele anfangs keine Probleme und viele machen es bis heute nicht wie der Kürbis oder Lavendel. Andere gebietsfremde Pflanzen wiederum verhalten sich invasiv, verdrängen heimische Arten und beeinflussen neben der Flora auch die Tierwelt. Ein kleiner Teil verursacht zudem allergische Re- aktionen bei den Menschen. Die Berg- und Naturwacht der Ortsstelle Friedberg hat Mitte August zu einem Spaziergang im Stadtgraben von Friedberg eingeladen, um auf die heimische Biodiversität sowie die vorkommenden invasiven Neophyten aufmerksam zu machen. Das Thema gewinnt aufgrund der wärmeren und immer länger andauernden Sommer zunehmend an Bedeutung. Die Aufgabe der Berg- und Naturwacht liegt bei diesem Thema in der Bewusstseinsbildung sowie der Information der Bevölkerung. Dazu hatten sie die Geografin und Neophyten-Expertin Mag. Elisabeth Werschonig von der Steiermärkischen Berg- und Naturwacht aus Graz eingeladen. Sie betonte, dass es beim Umgang mit invasiven Neophyten vor allem um die Eindämmung gehe sowie darum, heimische Pflanzen zu erhalten.

Eindämmung verursacht Kosten

Ein schönes Beispiel ist der Staudenknöterich, der im 19. Jahrhundert als Zier- und Deckungs-pflanze in Europa eingeführt wurde. Heute ist er in Mitteleuropa weit verbreitet, besonders an Bach- und Flussufern, Waldrändern, Bahndämmen und auf Brachflächen. Er ist sehr anpassungsfähig: So bleiben die Wurzeln bei schlechten Bedingungen bis zu zehn Jahre im Boden erhalten, bis sie wieder austreiben. Außerdem verbreiten sie sich unterirdisch über massive Rhi- zome, die bestehende Risse und geschädigte Bausubstanz durchwachsen können und damit hohe Bekämpfungs- und Sanierungskosten verursachen. Auch der Götterbaum keimt in Ritzen und kann Gebäude beschädigen. Das Drüsige Springkraut wiederum produziert wesentlich mehr Nektar als viele andere Blüten-pflanzen. Das macht die Pflanze für Bienen besonders attraktiv, kann aber dazu führen, dass andere heimische Gattungen, die weiter anzufliegen wären, weniger bestäubt werden. Die Bekämpfung und Eindämmung solcher Pflanzen verursachen enorme Mehrarbeit und sind somit ein wirtschaftlicher Faktor.

Gesundheitliche Auswirkungen

Während der Staudenknöterich für den menschlichen Körper harmlos ist, enthält der Pflan-zensaft des Riesenbärenklaus phototoxische Substanzen, die in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Hautreaktionen wie Verbrennungen hervorrufen können. Die Ambrosia wiederum verlängert die Saison für Allergiker, da sie ihre Pollen erst im Spätsommer und Herbst freisetzt. Der Götterbaum, der seine Pollen im Sommer verbreitet, verursacht ebenfalls allergische Reaktionen, wird aber in Standard-Allergietests noch nicht berücksichtigt. Somit können Menschen Reaktionen zeigen, ohne die Ursache zu kennen. Auch bei der Bekämpfung einiger invasiver Neophyten ist Vorsicht geboten. So trägt man beim Entfernen der Ambrosia zusätzlich zur Schutzbekleidung Brillen und schützt das Gesicht, damit Pflanzenbestandteile nicht versehentlich die Haut berühren.

Heimische Arten bevorzugen

Trotz der bekannten negativen Auswirkungen sind zahlreiche invasive Arten wie der Bambus weiterhin im Handel erhältlich. Dennoch sollten bei der Park- oder Gartengestaltung heimische Arten bevorzugt werden, so Werschonig: „Es gibt so viele heimische Arten, die für die heimische Tierwelt einen enormen Nutzen haben. Außerdem gibt es zu jeder positiven Eigenschaft oder Wirkung einer invasiven Pflanze zahlreiche heimische Alternativen.“ Vor allem die heimischen Weidenarten liefern wichtige Pollen und Nektar für die Jungenaufzucht von Bienen. Allein von der Palmweide profitieren insgesamt 213 Tierarten. Der Faulbaum dient 30 Schmetterlingsarten als Futter, 36 Vogelarten fressen dessen Beeren. Die Schlehe ist ein idealer Baum für Schmetterlinge, da er deren Raupen ausreichend Nahrung liefert. Im Gegensatz dazu bietet der als Schmetterlingsflieder bekannte Sommerflieder lediglich adulten Schmetterlingen Nektar. Er ist für kaum eine heimische Schmetterlingsraupe eine Futterpflanze. Der Sanddorn ist wiede- rum für Vögel im kargen Winter eine wichtige und hochwertige Nahrungs- und Vitaminquelle. Jeder Einzelne kann dazu beitragen, die Balance und Biodiversität zu erhalten, indem er beim Kauf neuer Pflanzen nicht nur auf die Optik achtet, sondern auch deren Herkunft und Nutzen für die heimische Tierwelt berücksichtigt.

Bei Fragen zu invasiven Neophyten steht die Naturschutzhotline unter Tel. 0664/224 222 0 oder per Mail unter natur@bergundnaturwacht.at zur Verfügung. Die neu gestaltete Website www.bergundnaturwacht.at informiert ebenfalls ausführlich über dieses Thema und bietet Infofolder zum Download.