Eine Burg gibt noch immer Rätsel auf

25. August 2026 | WLZ 137 | Autorin: Stefanie Schadler

Zahlreiche Ereignisse und Funktionen machen die Burg Thalberg einzigartig im Wechselland. Dennoch sind bis heute viele Fragen offen, wie etwa ihr genaues Erbauungsjahr oder ob sie tatsächlich nie erobert wurde. Eine wissenschaftliche Untersuchung könnte dazu Antworten liefern.

Mit 90 Meter Länge thront die Burg Thalberg auf einem Felsen. Um die Fragen rund um ihre Gründung und geschichtliche Bedeutung zu klären, fehlt die wissenschaftliche Untersuchung.

Foto ©  Johann Auerbäck

Viele Vermutungen noch unbestätigt

Warum steht der Hauptturm nicht exakt im rechten Winkel? Weshalb wurde die Burg vermutlich nie erobert? Und wie sah sie ursprünglich aus? Obwohl die Burg Thalberg in der Gemeinde Dechantskirchen seit Jahrhunderten das Landschaftsbild prägt, gibt sie Historikern bis heute zahlreiche Rätsel auf.

Bis zu ihrer vollständigen archäologischen Untersuchung lassen sich über ihre exakte Geschichte nur Vermutungen anstellen. Historiker Dr. Andreas Salmhofer, Obmann des Historischen Vereins Wechselland, vermutet etwa, dass sie die älteste Burg des steirischen Wechsellandes ist. Er begründet diese Aussage mit ihrer strategisch günstigen Lage entlang des Verbindungsweges Hartberg-Aspang. Zudem steht die Burg auf einem markanten Felsen, dessen Anhöhe im Kriegsfall leicht zu verteidigen war. Der langgestreckte Felsen dürfte auch der Grund dafür sein, dass die Burg rund 90 Meter lang wurde und damit zu den größten mittelalterlichen Burgen der Oststeiermark zählt. Die Vermutung, dass sie nie erobert wurde, sieht Salmhofer darin begründet, dass einerseits keine schriftlichen Aufzeichnungen dazu existieren und sie zum anderen auch optisch unversehrt wirkt. Sicherheit zu diesen Annahmen würde lediglich ein genauerer Blick durch Archäologen geben.

Zentrum des Protestantismus

Ihre Größe hat über die Jahrhunderte dazu geführt, dass sie immer wieder eine wichtige strategische Position einnahm. Neben ihrer Beherbergungsfunktion war dies auch ein Grund, dass sich größere Persönlichkeiten dort angesiedelt haben, darunter auch Sigmund von Dietrichstein (1484–1533). Er war ein österreichischer Adeliger und erwarb die Burg durch die Heirat mit Barbara Rottal. Zur selben Zeit lösten Martin Luthers Thesen die Reformation aus. Dietrichstein wurde zu einem ihrer frühen Anhänger und machte Thalberg als Landeshauptmann der Steiermark zum wichtigsten Zentrum des Protestantismus im Wechselland. Mitte des 16. Jahrhunderts setzte die Gegenreform durch die Habsburger ein. Diese Rekatholisierung war bis Anfang des 17. Jahrhunderts beendet. Zwischen 1584 bis 1615 wurden Jesuitenorden bewusst zur Zurückdrängung des Protestantismus eingesetzt.

Jesuiten kurbeln Wirtschaft an

Nach dem Tod Dietrichsteins folgten verschiedene Besitzer, bis 1610 die Grazer Jesuiten die Burg und Herrschaft Thalberg erwarben. Dieser katholische Männerorden hat 170 Jahre an diesem Standort gewirkt. Von Thalberg aus verwaltete er die gesamte Grundherrschaft und war für zahlreiche wirtschaftliche und gerichtliche Aufgaben verantwortlich.

Die Herrschaft Thalberg war im 17. und 18. Jahrhundert die größte im steirischen Wechselland und landwirtschaftlich geprägt. Zur Finanzierung ihrer Tätigkeit gründeten die Jesuiten unter anderem die Alte Glashütte in Schaueregg, ein Sägewerk im Hofgraben bei Schwaighof sowie eine Papierfabrik in Rohrbach. „Die Burg Thalberg war damals sprichwörtlich ein regionales Wirtschaftsszentrum“, so Salmhofer. Auch das Landesgericht war zu dieser Zeit in der Burg untergebracht, was eine weitere Einnahmequelle für die Jesuiten darstellte.

Dadurch, dass sie in der Burg über einen so langen Zeitraum lebten und über das nötige Geld verfügten, haben sie auch Geld in die Burg investiert. „Was sicherlich mit ein Grund ist, dass sie heute so gut erhalten ist“, so Salmhofer.

Doch der steigende Einfluss der Jesuiten war den Habsburgern nicht recht, sodass der Orden schließlich aufgelöst wurde. Burg und Herrschaft Thalberg fielen an den Staat und wurden verpachtet. Zahlreiche Besitzerwechsel folgten.

Zerstörung durch Romantik

Eine kuriose Zeit ereilte die Burg Tahlberg zur Zeit des Romantizismus. Wohlhabende Familien kauften in dieser Zeit Burgen, die aber wie Ruinen aussehen mussten. Und so kam es zur mutwilligen Zerstörung historischer Gebäude. Salmhofer betont, dass bereits Generationen zuvor die sogenannte Dachsteuer dazu geführt hatte, dass bei manchen Gebäuden die Dächer entfernt worden waren. Im 19. Jahrhundert kam schließlich der Zeitgeist der Romantik hinzu, der Burgruinen als besonders reizvoll empfand. Durch diese Maßnahmen verfielen zahlreiche Burgen und Klöster, da sie nicht mehr bewohnbar waren. „So entstanden auch die kuriosen Bilder der Burg Thalberg, in denen sie ohne Dach dasteht“, so der Historiker. Dadurch verlor die Burg auch Teile ihrer ursprünglichen Substanz.

Erst eine neue Besitzerin ließ schließlich wieder ein Dach anbringen und attraktivierte die Burg vor dem Ersten Weltkrieg. Nach einem erneuten Besitzerwechsel erwarb schließlich die Familie Hauke, später Gisslinger, im Jahr 1918 die Burg, die auch heute noch die Vorburg bewohnt. Seither ist sie im Privatbesitz.

Viele Fragen noch ungeklärt

Viele Geschichten gibt es darüber, was sich hinter den Mauern der Burg abgespielt hat. Doch viele Fragen um ihre Entstehung und ihre Bauphasen müssen noch geklärt werden. Auch die angebrachten Handwerkszeichen sowie ein Wolfsrelief müssen untersucht und geschichtlich eingeordnet werden.

Dr. Salmhofer ist daher in enger Verbindung mit dem Besitzer, da eine wissenschaftliche Untersuchung viele offene Fragen beantworten und die Bedeutung der Burg Thalberg für das gesamte Wechselland noch besser sichtbar machen könnte.