Frühjahr am Feld: Wenn die Saison beginnt
29. April 2026 | WLZ 134 | Autorin: Stefanie Schadler
Während in den Gärten die ersten Pflanzen sprießen, beginnt auch auf den Feldern der Region die arbeitsintensivste Zeit des Jahres. Was jetzt wächst, wird sorgfältig geplant und vorbereitet. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie viel Aufwand und Wissen hinter regionalem Gemüse stecken.
Mit einem Gewächshaus und Wärmeschutzvies kann die Anbausaison verlängert werden.
Saisonstart mit Planung
Auf den Feldern der Region beginnt nach dem Winter allmählich wieder Leben einzukehren. Während erste Kulturen bereits wachsen, laufen im Hintergrund viele Vorbereitungen für die kommenden Monate. Aber was hat eigentlich gerade Saison und was sind die Aufgaben der Landwirte zurzeit? Wir haben beim Bucklkistl in Zöbern nachgefragt, wo seit 2021 auf rund 0,7 Hektar kleinstrukturiert und vielfältig gewirtschaftet wird.
Im Freiland wurden bereits frostharte Salate, Fenchel und Radieschen gepflanzt. Im April ist es am Hof generell etwas ruhiger, wobei die Anbausaison beim Bucklkistl von Jänner bis November läuft. Im Grunde wird jede Woche etwas angebaut, so Landwirt Josef Heißenberger.. Dabei wird ressourcenschonend gearbeitet – ohne schwere Maschinen und mineralischen Dünger.
Eine Besonderheit am Hof ist das Glashaus, in dem im März bereits Gurken, Tomaten und Zucchini gesetzt wurden. Dadurch können bereits Mitte Mai die ersten Früchte geerntet werden. Damit das gelingt, setzt der Betrieb auf eine sogenannte Mistbeetheizung – eine traditionelle Methode, die ganz ohne zusätzliche Energie auskommt. Materialien wie Stroh, Sägespäne und Kuhmist erzeugen durch natürliche Verrottung Wärme, die in den Folientunneln gespeichert wird. So entsteht ein geschütztes Klima für die jungen Pflanzen. Durch diese Technik kann die Ernte deutlich vorverlegt und über einen langen Zeitraum gesichert werden.
Anbau im Kreislauf
Neben Privatkunden beliefert der Betrieb auch die Gastronomie in der Region. Um über mehrere Wochen hinweg die gleichen Gemüsesorten anbieten zu können, werden die Kulturen gestaffelt angebaut. Ziel ist es, auf möglichst kleiner Fläche hohe Erträge zu erzielen.
Jedes Beet wird zwei- bis dreimal pro Jahr genutzt. Statt den Boden regelmäßig umzupflügen, wird er nur oberflächlich bearbeitet und tief gelockert. Gedüngt wird mit Kompost, Alpakamist und Luzernpellets. Auch Fruchtfolge, Mulchen, Begrünung und der Einsatz von Nützlingen spielen eine wichtige Rolle. Der Fokus liegt auf einer nachhaltigen und bodenschonenden Bewirtschaftung.
Ständige Begleiter eines Landwirts sind die Verbundenheit zur Natur und die Abhängigkeit vom Wetter. Regen und Sonne sind entscheidend für Wachstum und Gesundheit der Pflanzen. Frostnächte hingegen zählen zu den größten Herausforderungen im Frühjahr. „Wir arbeiten mit der Natur und müssen damit zurechtkommen“, so Heißenberger. Um die Pflanzen zu schützen, werden sie im Freiland und im Folientunnel mit Wärmeschutzvlies abgedeckt. Das schützt nicht nur vor Kälte, sondern sorgt auch für bessere Wachstumsbedingungen. Sobald die Frostgefahr gebannt ist, wird das Vlies entfernt – und die Hoffnung richtet sich auf einen stabilen Mai.
Ein Vorteil ist die Lage des Hofes auf 750 Metern Seehöhe: Während sich in den Tälern oft der Nebel hält, kann der Betrieb im Herbst noch viele Sonnenstunden nutzen.
Regionalität und Vertrauen
Nachhaltiges und möglichst naturnahes Arbeiten ist ein Grundsatz des Betriebs. „Auch wenn wir kein Bio-Siegel haben, arbeiten wir aus Überzeugung biologisch“, so Heißenberger und nennt die gezielten Pflanzenschutzstrategien und den Einsatz von Nützlingen. Der Unterschied zu importiertem Gemüse liegt für ihn vor allem in der Transparenz: kurze Transportwege, regionale Wertschöpfung und der direkte Kontakt zu den Kunden schaffen Vertrauen. Auch die Zusammenarbeit mit der Gastronomie stärkt die regionale Versorgung.
Wie viele landwirtschaftliche Betriebe steht auch das Bucklkistl vor wirtschaftlichen Herausforderungen. Steigende Rohstoff- und Energiekosten sowie deutlich teurer gewordener Gärtnerbedarf machen sich bemerkbar. „Das an die Kunden weiterzugeben, ist immer eine Herausforderung. Gleichzeitig schätzen viele Menschen unsere regionalen Produkte und sind bereit, diese zu unterstützen. Das freut uns sehr“, so Josef.
Was viele Menschen überrascht, wenn sie den Betrieb besuchen: der enorme Arbeitsaufwand hinter jedem Produkt. „Unser Gemüse ist eigentlich zu billig für die Arbeit, die dahintersteckt“, sagt Heißenberger schmunzelnd. Die Arbeit als Landwirt lasse sich nicht eins zu eins berechnen. Wer täglich mit der Natur arbeite, wisse auch um die besondere Zufriedenheit, die diese Arbeit mit sich bringt. Gleichzeitig müsse sich der Preis für die Weiterführung des Betriebs rechnen – und genau das werde den Kunden auch offen vermittelt. „Es ist ein Risiko und eine Herausforderung, aber es macht auch Spaß, direkt zu vermarkten und als Landwirt ohne Hilfe von außen überleben zu können“, so Heißenberger.



