Jetzt entscheidet die Sommerpflege
16. Juni 2026 | WLZ 136 | Autorin: Stefanie Schadler
Wer jetzt regelmäßig erntet, nachdüngt und Krankheiten früh erkennt, schafft die Grundlage für eine reiche Gemüseernte bis in den Herbst hinein.
Die Aussaat endet nicht im Frühjahr. Auch die kältere Jahreszeit kann ertragreich sein. Radieschen können z.B. bis in den Herbst gesät werden.
Regelmäßig ernten
Viele Hobbygärtner verlieren an Ertrag, weil die Gurken zu lange an der Pflanze bleiben. Stattdessen sollten reife Früchte stetig gepflückt werden, damit die Pflanze neue Blüten und Früchte bildet. Sehr gut funktioniert das bei Tomaten, Gurken und Zucchini, wodurch verhindert wird, dass sie ihre ganze Energie in die Reifung weniger großer Früchte stecken. Es ist daher wichtig, die Früchte regelmäßig zu kontrollieren und dadurch den optimalen Erntezeitpunkt zu finden. Nicht nur die Qualität, sondern auch der Geschmack des Ernteguts werden dadurch maximiert.
Bei mehrjährigen Pflanzen und Kräutern wie Rhabarber darf nie die gesamte Pflanze auf einmal abgeerntet werden, da sie sonst zu stark geschwächt wird. Die optimale Tageszeit für die Ernte hängt stark von der jeweiligen Pflanze ab: Vor allem Salate, Gurken und Bohnen sowie Obst und Kräuter sind morgens prall mit Wasser gefüllt und dadurch besonders frisch und knackig. Insbesondere Kräuter entwickeln morgens die intensivsten ätherischen Öle. Der Nachmittag eignet sich perfekt für den höchsten Geschmack und Vitamingehalt. Auch für Gemüse, das von Natur aus Nitrat anreichert wie Rucola oder Mangold, sowie für süßes Beerenobst ist der Nachmittag am besten geeignet, da bis dahin der Nitratgehalt durch das Sonnenlicht abgebaut wurde.
Tomaten und Gurken pflegen
Tomaten und Gurken sind beides Starkzehrer und benötigen während ihres Wachstums viele Nährstoffe. Dennoch stellen sie unterschiedliche Ansprüche an ihre Umgebung: Während Tomaten trockene Wärme und viel Sonne bevorzugen, schätzen Gurken ein feuchteres, windstilles Klima. Bodennahes Gießen ist bei beiden wichtig, um Pilzkrankheiten zu vermeiden.
Zwischen Ende Juni bis Anfang Juli sollte den Pflanzen ein Tomaten- und Gemüsedünger verabreicht werden. Alternativ kann man Brennnesseljauche im Garten selbst herstellen und diese wöchentlich verdünnt dazugeben.
Wichtig für eine reiche Ernte ist bei den Tomaten das Ausgeizen. Dazu werden regelmäßig die jungen Seitentriebe entfernt, die in den Blattachseln wachsen. Dadurch steckt die Pflanze ihre Kraft in die Haupttriebe und Früchte. Die Blätter sollten unbedingt trocken bleiben, um das Risiko von Kraut- und Braunfäule zu vermeiden.
Gurken sollten vor Zugluft und kaltem Wasser geschützt werden. Auch eine regelmäßige Ernte regt die Pflanze dazu an, neue Früchte zu bilden. Die Gurken sollten daher nicht zu groß werden.
Nährstoffe nachliefern
Die Zufuhr von Nährstoffen sollte an die Jahreszeit angepasst sein. Während der Ernte benötigen die Pflanzen schnell verfügbare Nährstoffe, um Nährstofflücken zu füllen und Mangelerscheinungen zu beheben. Dafür ist bei stark zehrenden Sommerkulturen eine Flüssigdüngung ideal. Zur regelmäßigen Versorgung eignet sich eine dünne Schicht reifen Komposts. Dieser liefert organische Substanzen, die nach und nach durch Mikroorganismen umgewandelt werden.
Von August bis in den Herbst sinkt der Nährstoffbedarf. Kalium stärkt die Pflanzen für den Herbst und Winter. Es verbessert die Widerstandskraft gegenüber Frost, Krankheiten und Trockenstress. Neben speziellem Herbstdünger aus dem Fachhandel kann auch selbstgemachte Pflanzenjauche aus Löwenzahn, Beinwell oder Adlerfarn als idealer Kaliumlieferant dienen. Ebenfalls reichert eine dünne Schicht aus reifem Gartenkompost im Herbst den Boden auf natürliche Weise an.
Bereits an die Herbsternte denken
Nicht nur im Sommer wird geerntet. Auch in der kälteren Jahreszeit kann der Garten schmackhaftes Gemüse liefern. Als kältetolerante Sorten eignen sich Salate wie Feld- und Pflücksalat sowie Rucola. Wer Spinat Anfang September aussät, kann ihn bereits nach sechs bis acht Wochen ernten. Später gesäter Spinat überwintert klein und liefert ab März eine frühe Ernte. Auch Mangold kann im Herbst angebaut werden. Er verträgt die kalte Jahreszeit gut und liefert bis in den späten Herbst hinein frische Blätter. Auch Radieschen können noch im Herbst gesät werden.
Für die Überwinterung eignen sich Winterknoblauch, der, von September bis Oktober gesteckt, im Folgejahr früh erntereif ist. Auch Winterzwiebeln werden im Herbst gesetzt, während Wintererbsen, die klein überwintern und im Frühjahr sehr zeitig Erbsen liefern, im Frühherbst gesät werden sollten.
Bei der Samenwahl sollte auf spezielle Winter- und Spätsorten geachtet werden, da diese besonders frosthart sind und weniger Sonnenlicht brauchen. Für kälteempfindliche Kulturen wie Wintersalate sollte ein Frühbeet oder Gewächshaus genutzt werden. Spätes Gemüse sollte außerdem bei starkem Frost oder Schnee frühzeitig mit Vlies abgedeckt werden.
Organischer Dünger aus Hausmitteln:
Kaffeesatz ist reich an Stickstoff, Phosphor und Kalium und eignet sich für Pflanzen mit Bedarf an saurem Boden wie Tomaten. Den Kaffeesatz dazu trocknen und danach dünn in die Erde einarbeiten oder als Sud zum Gießen verwenden.
Eierschalen bestehen zu 90 Prozent aus Kalzium und enthalten Spurenelemente. Vor allem bei Tomaten und Paprika können sie Blütenendfäule verhindern. Die Schalen dazu mörsern und in die Erde einarbeiten oder für einen Sud die gemörserten Schalen etwa eine Woche in Wasser ansetzen.
Kartoffelwasser – abgekühlt und ungesalzen – enthält wertvolle Mineralstoffe und Kalium und ist ideal für Gemüse und Zimmerpflanzen.
Brennnesselsud ist ein hervorragender Stickstoff- und Kaliumlieferant. Dazu wird circa ein Kilo Brennnesselblätter mit zehn Liter Wasser in einem Eimer gemischt und zehn bis vierzehn Tage an einem sonnigen Ort ziehen gelassen. Das Gemisch sollte täglich umgerührt werden, damit Sauerstoff hineinkommt. Sobald die Jauche aufhört zu schäumen, kann sie im Verhältnis 1:10 für Starkzehrer wie Tomaten, Gurken, Zucchini und Kohl verwendet werden.



