Sicher auf der Alm unterwegs
16. Juni 2026 | WLZ 136 | Autorin: Stefanie Schadler
Fehlende Planung, falsche Ausrüstung oder die Überschätzung der eigenen Fitness zählen laut Bergrettung zu den häufigsten Ursachen für Notfälle. Auf Almen kommt es zusätzlich auf den richtigen Umgang mit Weidevieh an.
Am Foto ist Sennerin Ines Holzer zu sehen, die mit den Kühen vertraut ist. Wanderer sollte einer Herde immer weitläufig ausweichen, um Konfrontationen zu vermeiden.
Richtige Vorbereitung zählt
Kühlere Temperaturen, faszinierende Ausblicke und die Bewirtung durch die Hütten – Wandern im Wechselland ist für viele eine wichtige Möglichkeit zur Entspannung. Doch nicht jede Tour verläuft wie geplant. Unfälle, Verletzungen, Erschöpfung oder plötzliche Wetterumschwünge können dazu führen, dass Wanderer Hilfe benötigen. In solchen Fällen sollte der Notruf 140 alarmiert werden, der an die Einsatzleitung der jeweiligen Ortsstelle der Bergrettung weitergeleitet wird. Diese ist besonders für Einsätze in unwegsamem Gelände ausgerüstet.
Leiter der Ortsstelle Mönichkirchen Christian Zinkl informiert darüber, dass durch den steigenden Sommertourismus die Bergrettung Mönichkirchen mittlerweile auch in der warmen Jahreszeit regelmäßig ausrückt. Rund zehn Einsätze verzeichnet die Ortsstelle durchschnittlich pro Sommer. Vor wenigen Jahren war sie noch eine reine Winterortsstelle.
Die meisten Einsätze passieren laut Zinkl aufgrund überschätzter Fitness, rascher Wetterumschwünge sowie wegen Unfällen mit den Mountaincarts Mönichkirchen. „Teilweise ist aber auch ein Zuviel an Alkohol immer wieder Auslöser für unsere Einsätze“, so Zinkl. Besonders in Erinnerung ist ihm eine Suchaktion am Hochwechsel geblieben, die durch plötzlichen Nebel, Wind und Starkregen ausgelöst wurde. Selbst für die erfahrenen Einsatzkräfte war die Orientierung schwierig. Der Einsatz dauerte über zehn Stunden.
Für ein gesichertes Bergerlebnis empfiehlt er, sich gut vorzubereiten. Geeignetes Schuhwerk und ein Rucksack mit ausreichend Verpflegung mit Wasser, Jause und Obst sind dabei besonders wichtig. Auch die Wettervorhersage sowie die Beobachtung vor Ort sind entscheidend, da es gerade am Berg zu einem schnellen Wetterumschwung kommen kann. Ebenso wichtig wie die Beobachtung des Wetters ist die Tourenplanung als Vorbereitung. Falsche Abzweigungen sind nicht nur ärgerlich und können eine Tour unnötig verlängern, sondern ein Umweg wird nicht selten auch zu einem Irrweg, aus dem man nicht mehr so leicht herausfindet.
Da die gesetzliche Krankenversicherung Bergungskosten in der Regel nicht übernimmt, können Einsätze kostenpflichtig sein. Ein durchschnittlicher Einsatz kostet laut Bergrettung Niederösterreich/Wien rund 310 Euro. Eine Fördermitgliedschaft beinhaltet eine entsprechende Bergungskosten-Vorsorge.
Immer wieder gefährliche Situationen
Die Bergrettung Mönichkirchen verzeichnet bis dato noch keine Einsätze mit beteiligten Kühen. Wie die Sennerin Ines Holzer auf der Marienseer Schwaig – wo sich über den Sommer rund 250 Stück Vieh befinden – berichtet, käme es immer wieder zu gefährlichen Situationen zwischen Vieh und Mensch.
Am häufigsten beobachtet sie Menschen, die viel zu nah an den Kühen vorbeigehen. Gerade während der Fütterung sollte ein weiter Bogen um die Tiere gemacht werden. Oft gehen auch Kinder zu den Kühen und Kälbern, während die Eltern auf der Hütte sitzen und nicht nachschauen. Kälber werden auch auf der Alm geboren, sodass den ganzen Sommer über Vorsicht geboten ist, da die Mutterkühe ihre Kälber instinktiv beschützen.
Generell bittet sie Wanderer und Radfahrer, auf den vorgesehenen Wegen zu bleiben. Liegen die Kühe auf dem Weg, sollte man in einem weiten Bogen ausweichen.
Auch Zwischenfälle mit Hunden beobachtet Holzer regelmäßig. Hier empfiehlt sie, vor allem große Hunde eng an die Leine zu nehmen und am Bein entlangzuführen, um den Kühen die Sicht zu versperren. Geht eine Kuh dennoch auf einen Hund los, sollte dieser von der Leine gelassen werden. Hunde sind schneller als Kühe und können ihnen leichter entkommen als Menschen. Problematisch wird es allerdings, wenn sich die Hunde aus Angst hinter ihren Besitzern verstecken.
Holzer empfiehlt Wanderern das Mitführen eines Stockes, da Kühe Angst davor hätten. Kommt eine Kuh auf einen zu, genügt es meist, den Stock sichtbar hochzuhalten und ruhig stehen zu bleiben. „Gerade wenn sich die Wanderer fürchten, drehen viele in solchen Situationen um und gehen wieder zurück. Unerfahrene Wanderer gehen allerdings oft weiter, wodurch aus Unwissenheit gefährliche Situationen entstehen“, so die Sennerin.
Bei Unsicherheiten in Bezug auf das richtige Verhalten spricht Holzer Wanderer direkt an und steht auch für Fragen gerne zur Verfügung. Viele gefährliche Situationen ließen sich durch ein kurzes Gespräch vermeiden.
Richtiger Umgang mit Weidevieh
• Nicht füttern oder streicheln.
• Möglichst ruhig vorbeigehen und keinen Lärm machen.
• Mutterkühe beschützen instinktiv ihre Kälber, weshalb man sich den Jungtieren nicht nähern sollte.
• Hunde möglichst kurz an der Leine führen.
• Bei einem drohenden Angriff Hund ableinen.
• Nur auf den markierten Wegen wandern. – Wenn Weidevieh diese versperrt, sollte man die Herde mit möglichst großem Abstand umgehen.
• Gehen Weidetiere auf Wanderer zu, heißt es ruhig bleiben, ihnen nicht den Rücken kehren und langsam ausweichen.
• Ist ein Tier gereizt, erkennt man das an Signalen wie dem Heben und Senken des Kopfes, Schnauben oder Scharren. In solchen Fällen sollte die Weidefläche zügig verlassen werden.



