Kleine Schritte zu weniger Verschwendung

18. März 2026 | WLZ 133 | Autorin: Stefanie Schadler

Mehr als die Hälfte der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Österreich entsteht in privaten Haushalten. Mit mehr Klarheit über Ablaufdaten, Kreativität und cleveren Tricks kann diese Menge reduziert werden.

Etwa die Hälfte der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Österreich entsteht direkt zu Hause.

Foto © Pixel Boom, Freepic

Abfälle aus Verunsicherung

Das regelmäßige Kontrollieren des Kühlschrankinhalts hilft nicht nur beim Planen der nächsten Einkäufe und Mahlzeiten, sondern auch beim Aussortieren nicht mehr genießbarer Produkte. Zu lange geöffnete Sauerrahm-Becher, welk gewordene Salate oder eingetrockneter Käse: Wer klug ausmistet, sorgt für ein sauberes, keimarmes Umfeld im Kühlschrank. Viele Menschen werfen Lebensmittel weg, weil sie unsicher sind, ob sie noch genießbar sind. Häufig spielt dabei das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) eine große Rolle – obwohl es nur eine Orientierung darstellt. Nicht immer entscheidet ein Datum darüber, ob Lebensmittel noch essbar sind. Viel wichtiger sind Geruch, Aussehen und Geschmack.

Variable Haltbarkeit

Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt aus, dass ein Lebensmittel bis zu diesem Datum seine spezifischen Eigenschaften aufweist, was zum Beispiel Farbe, Vitamingehalt, Geschmack, Süße und Textur betrifft. Ist es überschritten, sind viele Lebensmittel weiterhin genießbar, dazu zählen etwa Joghurt oder Käse. Das MHD ist damit eine Qualitätsgarantie des Herstellers.

Haltbarkeitsfristen werden von den Herstellern in Eigenverantwortung festgelegt, in einigen Fällen sind sie auch im österreichischen Lebensmittelbuch festgeschrieben. Bei Fleischprodukten liegt diese Frist bei drei Tagen bei Frischfleisch und Hühnerteilen, bei einem Tag bei Fleischkleinteilen wie Faschiertem und bei fünf Tagen bei ganzen Hühnern. Entscheidend für die Haltbarkeit ist das Einhalten der Kühlkette. Gerade bei empfindlichen Produkten wie Fleisch, Wurstaufschnitt, Käse in Scheiben, geschnittenem Obst oder Beutelsalaten sollten beim Kauf noch drei bis fünf Tage bis zum Ende der Haltbarkeit vorhanden sein. So bleibt genügend Zeit, das Lebensmittel zu Hause zu lagern und zu verbrauchen. Kann Frischfleisch nicht am Tag des Einkaufs verzehrt werden, empfiehlt sich Vorkochen und anschließendes Einfrieren. Damit tiefgefrorenes Fleisch nicht verdirbt, ist auch der Fettgehalt entscheidend: Je fetter, desto kürzer die Haltbarkeit. Zudem sollte das Fleisch zum Zeitpunkt des Einfrierens möglichst frisch sein.

Entscheidend für den ungefährlichen Genuss von Lebensmitteln ist das Verbrauchsdatum. Es wird bei sehr sensiblen Produkten wie frischem Fisch, Faschiertem oder Rohmilch angegeben. Sie sind mit dem Vermerk „Zu verbrauchen bis …“ anstelle von „Mindestens haltbar bis …“ gekennzeichnet und sollten nach dem angegebenen Zeitpunkt grundsätzlich nicht mehr verwendet werden.

Lebensmittel länger nutzen

Über eine Million Tonnen an genießbaren Lebensmitteln landen in Österreich pro Jahr im Müll. Laut WWF entsteht in etwa die Hälfte dieser vermeidbaren Abfälle direkt in den Haushalten. Bis zu 800 Euro beziehungsweise 133 Kilogramm pro Haushalt an noch genießbaren Lebensmitteln landen jährlich im Müll. Noch genussfähiges Brot und Gebäck sowie Obst und Gemüse sind besonders davon betroffen. Gemeinsam machen diese beiden Produktgruppen mehr als die Hälfte an vermeidbaren Lebensmittelabfällen landesweit aus.

Das wirkt sich auch auf die Gesellschaft, die Natur und das Klima aus. So sind 1,24 Millionen Menschen in Österreich beziehungsweise jede siebte Person von Armut betroffen und hat nicht genug Mittel, um Essen zu kaufen. Eine Million Hektar würden frei, wenn kein Essen mehr verschwendet würde. Das entspricht der gesamten landwirtschaftlichen Fläche Oberösterreichs. Außerdem lassen sich 16  Prozent der Treibhausgase, die durch unsere Ernährung entstehen, auf die Verschwendung von Lebensmitteln zurückführen.

Als Hauptgrund für die Verschwendung wird laut WWF bei über 50 Prozent der Österreicher Zeitmangel angegeben. Weitere Gründe sind der falsche Lagerplatz, fehlende Kochideen und ein zu hoher Aufwand bei der Verarbeitung. Auch Unsicherheiten bei überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum werden angegeben. Richtige Planung, bewusste Beurteilung und richtige Verwendung von Lebensmitteln wären daher Wege hin zu weniger Lebensmittelverschwendung.

Tricks zur Lebensmittelnutzung

Es geht also nicht allein um die Lagerung von Lebensmitteln, die zu weniger Verschwendung führt, sondern auch um die Weiterverwendung. Um Lebensmittel länger nutzen zu können, gibt es einige Tricks. So kann Brot eingefroren statt weggeworfen werden und aus älterem, trockenem Brot können Brotwürfel als Suppeneinlage gemacht werden. Frische Kräuter halten sich länger, wenn man sie in Wasser stellt, und Salat sollten in ein feuchtes Tuch gewickelt werden, damit er knackig bleibt. Ist das Obst zu reif, kann es dennoch zu Kompott oder Smoothie weiterverarbeitet werden. Reste vom Mittagessen sollten innerhalb von ein bis zwei Stunden nach der Zubereitung im Kühlschrank aufbewahrt werden. Dann halten sich die Reste je nach Art der Lebensmittel bis zu drei Tage.

Weniger Verschwendung ist bereits durch kleine Maßnahmen erreichbar: Wer Lebensmittel aufmerksam prüft, sie kreativ verwertet und bewusst einkauft, kann viel dazu beitragen, dass wertvolle Nahrung nicht im Müll landet. 

Schon gewusst?

Rund ein Viertel der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in der Gastronomie entsteht durch Konsumenten – etwa durch nicht aufgegessene Portionen oder bestellte Speisen, die zurückgehen. Auch hier gibt es Möglichkeiten gegenzusteuern: In vielen Restaurants und Gasthäusern ist es mittlerweile üblich, Reste einpacken zu lassen. Sogenannte „Resteboxen“, „Doggy Bags“ oder auch einfache Alufolie werden auf Nachfrage gerne an den Tisch gebracht. Eine gesetzliche Pflicht für Restaurants gibt es in Österreich zwar nicht, dennoch hat es sich zunehmend als Standard etabliert, übriggebliebenes Essen mit nach Hause zu nehmen. Auch das ist ein einfacher Schritt, um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden.