Natürlich gegen Schädlinge

22. Mai 2026 | WLZ 135 | Autorin: Stefanie Schadler

Ein Hochbeet bietet ideale Bedingungen für Gemüse und Kräuter – aber auch Schädlinge fühlen sich dort wohl. Mit der richtigen Pflanzenwahl, Nützlingen und natürlichen Mitteln lässt sich das Beet dennoch gesund halten.

Gute Bedingungen schaffen

Das Hochbeet ist befüllt und die Pflanzen entwickeln sich prächtig. Doch dann eine beunruhigende Entdeckung: angefressene Blätter, Schleimspuren von Schnecken, welke Pflanzen. Warum passiert das – und wie lässt sich das natürliche Gleichgewicht im Garten wieder stärken?

Viele Hobbygärtner erleben im Laufe der Saison die ein oder andere Überraschung im Gemüsebeet. Wer einen kühlen Kopf bewahrt und überlegt reagiert, kann auf natürliche Weise rasch wieder ein optimales Milieu erreichen.

Vor der Schädlingsbekämpfung sollte man sich zunächst Gedanken über die Schädlingsvermeidung machen. Das passiert bereits beim Pflanzen des Hochbeets: Gute Nachbarn halten sich einander die Schädlinge fern. So unterstützen sich Zwiebel und Karotte gegenseitig. Kräuter zwischen dem Gemüse nutzen den Platz im Beet optimal aus und konkurrieren weniger stark um Wasser und Nährstoffe. Die Ringelblumen wirken auf vielerlei Weise positiv: Sie locken Nützlinge wie Schwebfliegen und Marienkäfer an, deren Larven Blattläuse fressen. Andererseits befallen Blattläuse oft die Ringelblume, wodurch andere Pflanzen verschont bleiben. Zusätzlich halten sie Schnecken vom Gemüsebeet fern.

Vor allem die Morgensonne ist für ein Hochbeet ideal, da sie noch nicht so heiß ist und das Beet nicht austrocknet. Zugleich wird der Tau früh getrocknet, was Pilzkrankheiten vorbeugt. Eine halbschattige südwestliche Ausrichtung ist ideal. Eine gute Durchlüftung im Aufbau des Hochbeets ist ebenso wichtig wie eine nicht zu dichte Bepflanzung. Auf weitere wichtige Themen wie Mischkultur und Fruchtfolge wird in dieser Ausgabe im Artikel „Gute Nachbarn im Hochbeet“ eingegangen. Das Thema Bodengesundheit wurde in der letzten Ausgabe behandelt.

Nützlinge bewusst fördern

Sind die Pflanzen im Beet, ist das Anlocken von Nützlingen besonders sinnvoll. Neben dem bereits genannten Marienkäfer gegen Blattläuse sind auch Florfliegen wichtige Nützlinge: Ihre Larven fressen Blattläuse, Wollläuse, Spinnmilben, weiße Fliegen oder Thripse und sind daher ideal zur biologischen Schädlingsbekämpfung. Dabei gibt es die Möglichkeit, diese Florfliegenlarven zu kaufen und bei Befall direkt auf die Pflanzen zu streuen. Alternativ wird ihre Ansiedlung mittels blütenreicher Pflanzen wie dem Purpursonnenhut und der Katzenminze auf natürliche Weise gefördert.

Auch ein naturnaher Garten rund ums Hochbeet unterstützt Nützlinge wie Wildbienen als Bestäuber und Spinnen, die Schadinsekten fressen. Auch Vögel helfen im Garten bei der Eindämmung von Insekten und Raupen. Im Hochbeet selbst können sie allerdings junge Pflanzen oder lockere Erde stören. Auch wer Igel im Garten hat, unterstützt indirekt das Hochbeet, da diese vor allem die Schneckenpopulation in Zaum halten. Besonders geeignet sind Pflanzen, die Nützlinge anlocken und Bestäuber fördern. Dazu zählen neben der Ringelblume die Kapuzinerkresse, Lavendel, Dill, Fenchel und Kornblume. Auch Wasserstellen und Totholz unterstützen die Nützlinge. Ein naturnaher Garten sorgt für ein ausgewogenes Miteinander.

Trotz aller Vorkehrungen können Schädlinge auftreten, doch das bedeutet nicht sofort eine Katastrophe. Einzelne Läuse sind normal und für das Gleichgewicht sogar wichtig. Ein gesunder Garten braucht Vielfalt – und dafür reichen natürliche Maßnahmen oft bereits aus.

Was Chemie bewirkt

Der Einsatz von chemischen Mitteln hat den Vorteil, dass Schädlinge schnell reduziert werden: Blattläuse verschwinden meist rasch, Pilzbefall wird eingedämmt und Pflanzen wirken kurzfristig gesünder. Doch oft sind dabei auch Nützlinge betroffen. Viele Mittel unterscheiden nicht sauber zwischen Schädlingen und nützlichen Insekten. So könnten zugleich auch Marienkäfer, Florfliegen, Wildbienen, Schmetterlinge und Regenwürmer deren Einsatz zum Opfer fallen. Und wenn das passiert, gerät das natürliche Gleichgewicht durcheinander.

Bei häufigem Einsatz kann auch der Boden belastet werden, sodass Mikroorganismen leiden, Regenwürmer weniger werden und sich generell das Bodenleben verändert. Das hat gerade für das Hochbeet entscheidende Folgen, da dort auf engem Raum gearbeitet wird. Zugleich kommt es zu einer Abhängigkeit. Fehlen die nützlichen Gegenspieler, treten Schädlinge oft schneller wieder auf – und es muss neu gespritzt werden.

Da im Hochbeet meist Lebensmittel angebaut werden, können Rückstände des Mittels auf Salaten, Kräutern und Gemüse verbleiben. Um all diese Nebeneffekte zu vermeiden, setzen viele Hobbygärtner bewusst auf natürliche Methoden, um Gemüse ohne zusätzliche Belastung anzubauen.

Engerlinge: Freund oder Feind?

Sowohl als auch. Denn während der Maikäfer-Engerling lebende Wurzeln frisst und somit als Schädling im Hochbeet zu sehen ist, sind jene des Rosen- und des Nashornkäfers Nützlinge, da sie nur tote Pflanzenteile fressen. Letztere stehen zudem unter Naturschutz und sollten daher in den Kompost umgesiedelt werden, wo sie genügend zu fressen bekommen und sich verpuppen können.

Doch wie erkennt man den Unterschied? Vor allem an ihrer Fortbewegung: Während sich die Engerlinge des Maikäfers seitlich fortbewegen, bewegen sich jene des Rosenkäfers auf dem Rücken vorwärts. Nashornkäfer-Engerlinge sind an ihrer Größe von bis zu zehn Zentimetern gut erkennbar.

Um den Befall einzudämmen, gibt es einige biologische Tricks: Der Geruch von Knoblauch vertreibt die Larven – Knoblauchzehen oder Sud kann – ebenso wie auch Kaffeesatz – in die Erde gegeben werden. Vorbeugend kann ein feinmaschiges Netz über das Hochbeet gelegt werden, um die Eiablage der Käfer im Mai/Juni zu verhindern. Die Erde kann auch mit Vlies oder Mulch bedeckt werden, um den Käfer den Zugang zum Boden zu versperren.

Im Herbst oder spätestens im Frühjahr sollte die Erde tiefgründig umgegraben und die Larven manuell entfernt werden.

Hausmittel gegen Schädlinge

Problem: Natürliches Mittel

Blattläuse: Schmierseifenlösung

Schnecken: Kaffeesud, absammeln

Pilzbefall: gute Durchlüftung

Schwache Pflanzen: Brennnesseljauche