Neue Wege für WiederWertVoll
16. Juni 2026 | WLZ 136 | Autorin: Stefanie Schadler
Der Verein WiederWertVoll in Friedberg richtet seine Sichtbarkeit nach fünf Jahren neu aus, möchte punktuelle Aktionen setzen und bestehende Initiativen bündeln.
Die WiederWertVoll-Boutique kann noch bis zum Freitag, 3. Juli 2026 besucht werden.
Mehr als eine Secondhand-Boutique
In fünf Jahren des Bestehens der WiederWertVoll-Boutique hat der Verein Kunsthandwerk und Secondhandmode in Friedberg sichtbar gemacht. Ein engagiertes Team lenkt den Fokus auf Nachhaltigkeit, Einzigartigkeit und Wiederverwertung. Gleichzeitig war die Boutique nie als langfristiges Projekt gedacht. Obfrau Maria Bischof und ihre Stellvertreterin und zugleich Schwester Monika Schausberger blicken auf die vergangenen Jahre zurück, in denen sie ihren beruflichen Horizont als Quereinsteiger erweitert haben.
„Es war eine Zeit voller interessanter Begegnungen, in der auch viel bewirkt wurde“, so Bischof. Mehrere 1.000 Kleidungsstücke und damit rund 50 Prozent fanden neue Besitzer, was die beiden als großen Erfolg sehen. Zum Vergleich: Ein erheblicher Teil der über Kleidercontainer gesammelten Textilien kann nicht wiederverwendet werden und wird verbrannt.
Durch den Handel mit gebrauchten Waren haben sie auch viel über das Einkaufsverhalten ihrer Kunden erfahren. So konnten sich manche Menschen nur schweren Herzens von ihren Kleidungsstücken trennen, an anderen Kleidungsstücken war hingegen noch das Preisschild dran.
Punktuelle Sichtbarkeit
Nach fünf Jahren ist der Mietvertrag ausgelaufen, was zugleich der Anlass war, zu reflektieren und einen neuen Weg einzuschlagen: weg von fixen Verbindlichkeiten, hin zu mehr Möglichkeiten. „Wir wollen unsere Vereinstätigkeit neu ausrichten und mehr als Verein gesehen werden anstatt als Betreiber eines Geschäftes“, so Schausberger.
So sollen mit Workshops an verschiedenen Standorten neue Personenkreise angesprochen werden. Als Location könnten leerstehende Geschäftslokale oder nicht genutzte Säle von Gasthäusern sowie ein Pfarrheim dienen. „Es gibt genug Gebäude, die Platzressourcen für eine gewisse Zeit zur Verfügung stellen können“, so Bischof, womit der Gedanke der Leerstandbelebung weiterverfolgt wird.
Bereits im Juli macht der Verein bei der Kinderferienbetreuung in Friedberg mit. An einem Tag werden sie gemeinsam mit den Kindern aus alten Stoffen neue und vor allem nützliche Dinge entstehen lassen.
Eine weitere Idee ist als Gegenpol zur Black Shopping Week geplant. Dabei sollen bestehende nachhaltige Initiativen gebündelt werden, um der Sache mehr Sichtbarkeit zu verleihen.
Umdenken unterstützen
Von klein auf haben die beiden Schwestern Kleider untereinander getauscht oder Stücke von Freunden getragen. „Secondhand ist für mich eine bewusste Haltung und jeder kann mit seinem Konsumverhalten einen Beitrag leisten“, so Bischof. Ihre ressourcenschonende Einstellung zeigt sich unter anderem beim Gestalten von Wimpeln aus übriggebliebenen Flyern, der Verwendung von Kartons zur Beschriftung sowie Null-Euro-Dekorationsbudgets bei ihren Events. „Stattdessen haben wir einen Bastelnachmittag veranstaltet und dabei eine Menge Spaß gehabt.“
Aus bestehenden Materialien etwas herzustellen, anstatt Dinge neu zu kaufen, ist ein Umdenkprozess, der langsam passiert. Doch jeder könne jeden Tag etwas verändern, so Bischof, denn gerade im eigenen Konsumverhalten könnten die Menschen sehr viel beitragen. Umso mehr freut es die Vereinsverantwortlichen, dass ihre Ideen rund um bewusstes Konsumverhalten nun auch Teil des Klima- und Energie-Modellregion-Programms geworden sind. Für sie ist das ein Zeichen, dass nachhaltiges Handeln immer mehr Menschen erreicht.



