Wenn der Alltag müde macht
18. Februar 2026 | WLZ 132 | Autorin: Stefanie Schadler
Warum nicht die Nacht, sondern der Alltag müde macht – und was wirklich entlastet. Ein Blick auf Daueranspruch, Energieräuber und kleine Stellschrauben im Familien- und Berufsalltag.
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Schlaf bedeutet nicht Erholung
Im ersten Teil zum Thema Müdigkeit gingen wir in der letzten Ausgabe darauf ein, was bei akuter Müdigkeit hilft. Nun erweitern wir dieses Thema und richten den Blick auf den Alltag mit der Frage, wie Familien und Berufstätige ihren Energiehaushalt besser managen können.
Auch bei ausreichendem Schlaf kann man sich müde und erschöpft fühlen. Ursache ist hier oft die Dauerbeanspruchung im Tagesablauf: Bereits morgens beginnt jeder Tag mit einem gewissen Pensum an Stress, sei es, weil wir schnell in die Arbeit kommen oder die Kinder rechtzeitig fertig machen müssen. In der Arbeit steht die Leistung im Vordergrund und am Abend wird organisiert und geplant. Wer von Lustlosigkeit geplagt wird oder sich tagsüber bereits auf das Zubettgehen freut, der sollte seinen Alltag näher betrachten.
Viel tun, wenig fühlen
Die Kombination aus Arbeit, Haushalt und Familie fordert auf unterschiedliche Weise und die Übergänge sind fließend. Verpflichtungen wie Arbeit, Organisation und ständige Erreichbarkeit gehen Hand in Hand. Gerade dieses Multitasking ist ein Energiefresser. Man befindet sich in ständiger Bereitschaft. Der Körper kann nur schwer abschalten. Weitere Energiefallen sind Nachmittage, die durchgeplant, und Abende, die nicht für die Erholung genutzt werden. Wenn die Schlafenszeit die einzige richtige Pause im Alltag ist, führt das zu Mattheit und Erschöpfung.
Abhilfe schaffen oft kleine Drehschrauben wie Priorisierungen und das Einpflegen von Strukturen und Routinen. Ausreichende, über den Tag verteilte Erholungsmomente zahlen dabei auf die Energiebalance ein.
Bewusstes Abarbeiten
Es gibt viel zu tun, aber man kann nicht alles an einem Tag erledigen: Beim Abarbeiten der unterschiedlichen Aufgaben – egal, ob bei der Arbeit, in Familie oder Haushalt – hilft es, Prioritäten zu setzen. Ein wichtiger Hebel im Selbstmanagement ist es auch, zu erkennen, dass man nicht für alles verantwortlich ist. Das Delegieren von Aufgaben und Teamarbeit sind wichtige Prinzipien in der Arbeitswelt. In Familie und Haushalt ist das zwar nicht immer machbar, kann aber ebenfalls entlastend wirken. Aufgaben und Entscheidungen abzugeben, verschafft einem dabei selbst Zeit. Und andere fühlen sich gestärkt, weil man ihnen dadurch sein Vertrauen ausgesprochen hat.
Kleine Pausen, große Wirkung
Man sollte auf sein Energielevel achten und seinen Tag daran ausrichten. Meist gibt es vormittags ein Hoch, das man für anspruchsvolle Aufgaben nutzen sollte. Der Abend hingegen sollte nicht mit Dingen vollgepackt werden, die sich am Tag nicht ausgegangen sind. Statt To-do-Listen abzuarbeiten, hilft eine Abendroutine. Diese kann darin bestehen, den nächsten Morgen vorzubereiten oder mit Malen und Zeichnen den Tag kreativ ausklingen zu lassen.
Auch kleine Pausen über den Tag verteilt sind kein Luxus, sondern Selbstfürsorge. Sie beruhigen das Nervensystem und sind maßgeblich daran beteiligt, wie der Abend verläuft. Dazu genügt es bereits, fünf Minuten bewusst zu atmen, die Lieblingsmusik bei geschlossenen Augen zu hören oder kurz an die frische Luft zu gehen.
Übergänge schaffen
Um die Übergänge zwischen Arbeit und Privatleben zu entschärfen, kann man ein Abschlussritual etablieren, das den Arbeitstag bewusst beendet. Ins Familienleben kann man mit Bewegung an der frischen Luft starten oder gemeinsam die Highlights des Tages Revue passieren lassen.
Die Auseinandersetzung mit den täglichen Aufgaben ist ein fortlaufender Prozess. Dabei geht es darum, Druck aus dem Alltag heraus- und kleine Anpassungen vorzunehmen, die auf das große Ganze einzahlen. Nicht alles muss erledigt sein – manchmal reicht es, den Anspruch zu senken, um wieder Kraft zu haben.



