Wenn im Ort wieder etwas passiert
20. Jänner 2026 | WLZ 131 | Autorin: Stefanie Schadler
Die Belebung eines Ortes entscheidet über seine Attraktivität und wirtschaftliche Stärke. Drei Projekte im Wechselland zeigen, wie Gemeinden aktiv gegen Leerstand vorgehen und neue Impulse setzen.
Gasthaus zur 1000-jährigen Linde in Kirchberg am Wechsel hat ab 31. Jänner 2026 wieder geöffnet.
Belebung erhöht Qualität
Leerstehende Schaufenster und geschlossene Geschäftslokale sind mehr als nur ein optisches Problem. Es bedeutet auch weniger Frequenz, kürzere Aufenthalte, wodurch bestehende Betriebe Umsatzeinbußen erleiden. Ein lebendiger Ort bündelt Handel, Dienstleistungen und Gastronomie – und ist auch für Betriebe außerhalb des Zentrums ein Standortvorteil.
Wie Orte und Ortskerne aktiv gestärkt werden können, zeigen drei Beispiele aus dem Wechselland: Kirchberg am Wechsel revitalisiert ein Gasthaus, Mönichkirchen baut auf naturnahe Aufenthaltsräume und St. Lorenzen am Wechsel setzt seit Jahrzehnten auf ein vielseitig genutztes Kulturhaus. Das gemeinsame Ziel: den Ort lebendig zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Gasthaus modernisiert
Ein aktuelles Beispiel ist in Kirchberg am Wechsel das „Gasthaus zur 1000-jährigen Linde“. Seit Mitte 2022 war das traditionsreiche Gasthaus geschlossen. Mit dem Ankauf durch die Gemeinde wurde jedoch der Grundstein für eine umfassende Modernisierung gelegt. Entstanden ist ein Veranstaltungs- und Festsaal, der den Rahmen für private Feiern und kulturelle Veranstaltungen bietet. Gemeinsam mit dem Gastbetrieb, der sowohl eine traditionelle als auch italienische Küche umfasst, soll ein neuer Ort der Begegnung und Kommunikation geschaffen werden.
Die umfangreichen Umbauarbeiten und Erweiterungen sind mittlerweile abgeschlossen, eine Pächterfamilie wurde gefunden und mit 31. Jänner 2026 ist das Gasthaus wieder geöffnet. Für Bürgermeister Sebastian Paß steht dabei die Nutzung im Vordergrund: „Für uns war es wichtig, dass ein erhaltenswertes Gebäude mitten im Ortskern nicht in private Investorenhände gerät, sondern im Interesse der Bevölkerung genutzt wird. Der Erfolg wird sich daran messen lassen, ob der Saal wieder regelmäßig genutzt wird und ob das Zusammenspiel von Gastronomie, Vereinen und Pächterfamilie dauerhaft funktioniert.“
Ort beleben
Um neben den Aktivitäten auf der Erlebnisalm auch im Ort selbst attraktive Angebote zu schaffen, setzt die Gemeinde Mönichkirchen auf die Natur und die Gestaltung von Biodiversitätsflächen. Gemeinsam mit dem Dorferneuerungsverein wurde das Projekt „Wildbienenweg“ 2022 umgesetzt, mit dem Ziel, einen Weg durch den Ort zu gestalten, der ganz im Zeichen der Wildbienen und anderer Nützlinge steht.
Beginnend hinter der Kirche führt der Weg vorbei an Sträuchern, Stauden, Nützlingshotels und Kommunikationsplätzen. Sein stimmiger Abschluss liegt beim Wasserpark mit Kneippanlage und Salaerium. Ein besonderes Highlight bildet der großzügige Schaugarten, ein Herzensprojekt von Vizebürgermeister Martin Tauchner, der damit einen besonderen Naturort für Pflanzen, Lebewesen und Menschen geschaffen hat. „Uns war es wichtig, dass Mönichkirchen nicht nur über die Erlebnisalm wahrgenommen wird, sondern auch im Ort selbst attraktive Angebote entstehen. Der Wildbienenweg verbindet ein schönes Ortsbild mit hoher Aufenthaltsqualität – für Einheimische ebenso wie für Gäste, die für einen Nachmittagsausflug kommen, spazieren gehen oder einen Kaffee trinken.“
Ein Haus, viele Möglichkeiten
Ein gutes Beispiel dafür, dass die Ortskernbelebung langfristig wirkt, ist das Kulturhaus in St. Lorenzen am Wechsel. Errichtet in den Jahren 1957/58 als Pfarrheim, wurde das Gebäude schon früh vielfältig genutzt – als Veranstaltungssaal, Kindergarten, für Schulklassen und später auch als Jugendraum. Mit dem Ankauf durch die Gemeinde und dem Umbau in den Jahren 1999/2000 entstand in Zusammenarbeit mit dem Dorfentwicklungsverein ein modernes Veranstaltungszentrum mit einer Gesamtnutzfläche von rund 640 Quadratmetern. Heute beherbergt das Obergeschoss das Musikheim der Trachtenkapelle St. Lorenzen, einen Jugend- sowie einen Mehrzweckraum. Der Veranstaltungssaal wird nach wie vor intensiv genutzt – für Frühschoppen, Kabarett- und Theateraufführungen, Hochzeiten, Vereinsveranstaltungen, den Feuerwehrheurigen oder auch sportliche Aktivitäten wie Tischtennis. „Der Veranstaltungssaal wird von Vereinen, Feuerwehren und der Bevölkerung genutzt. Diese regelmäßigen Anlässe sorgen dafür, dass das Ortszentrum lebt – nicht nur punktuell, sondern das ganze Jahr über“, so Bürgermeister Hermann Pferschy. Damit ist das Kulturhaus bis heute ein zentraler Treffpunkt im Ort und ein wichtiger Impulsgeber für das gesellschaftliche Leben im Ortskern.



