Zwei Wochen, die den Blick verändern

06. Oktober 2026 | WLZ 138 | Autorin: Stefanie Schadler

Zwei Lehrerinnen aus der Region verbringen zwei Wochen als Freiwillige in Betreuungseinrichtungen in Tansania. Sie wollen ihre Ferien sinnvoll nutzen und Kinder unterstützen. Vor Ort erleben sie große Herzlichkeit, aber auch Situationen, die sie an ihre Grenzen bringen.

Im Zuge eines Freiwilligenprogramms konnten zwei Volksschullehrerinnen in Tansania Erfahrungen sammeln.

Herausforderungen

Um die langen Sommerferien sinnvoll zu nutzen, beschlossen zwei junge Volksschullehrerinnen aus Dechantskirchen, an einem Freiwilligenprogramm teilzunehmen. In einer Kinderbetreuungsstätte wollten sie den Kindern helfen und sich einbringen. Auf der Suche nach einem passenden Programm fiel die Wahl schließlich auf Tansania, da beide noch nie in Afrika gewesen waren. „Wir sind nicht mit der Vorstellung hingefahren, in Afrika etwas zu verändern. Wir wollten mitarbeiten und Erfahrungen sammeln“, so Katja Hutz und Lena Kainz.

Bereits bei der Planung zeigte sich, dass mit dem Einsatz mehr Aufwand verbunden war als zunächst gedacht: Notwendige Impfungen, Versicherungen und die generelle Organisation inklusive Flüge bedeuteten einen hohen Zeitaufwand, aber auch zusätzliche Kosten. Um am Programm überhaupt teilnehmen zu können, mussten sie bereits eine gewisse Summe vorab aufbringen. Vor Ort angekommen, kamen sie in einem Freiwilligenhaus mit 20 weiteren Frauen aus unterschiedlichen Ländern unter. Dabei entstanden neue Bekanntschaften, gleichzeitig merkten sie aber auch schnell, wie fordernd die Verständigung in einer internationalen Gruppe sein kann.

Emotional sehr belastend

Bereits am nächsten Tag traten sie ihre Arbeit in einer DayCare an. Überschwänglich wurden sie von den Kindern begrüßt, umarmt und eingenommen, doch aus der anfänglichen Freude über den herzlichen Empfang wurde bald Unglauben und Verwirrung: Viele Kinder waren krank. Besonders belastend war für die beiden, dass Babys teilweise stundenlang schrien und nur selten getröstet wurden. „Ein Kind ist aufgestanden, hat sich im Freien übergeben und hat sich dann wieder zur Gruppe gesetzt. Das schien ganz normal zu sein“, so die beiden Frauen. Für die beiden war kaum eine feste Struktur oder ein geregelter Tagesablauf erkennbar, auch Spielzeug sahen sie zunächst keines. Aus reiner Neugier öffneten sie Schränke in den Räumen der Betreuerinnen und staunten, dass diese mit neuen, noch verpackten Spielsachen gefüllt waren. Auf ihre Nachfrage erhielten sie keine für sie nachvollziehbare Erklärung, warum diese nicht verwendet wurden. Kurzerhand packten die beiden einige Spielsachen aus und gaben sie den Kindern – darunter Tennisbälle, die für große Freude unter den Kindern sorgten. „Dieser Moment war sehr schön. Aber es war auch traurig zu sehen, wie wenig den Kindern weitergegeben wurde“, so Kainz. Da sie in dieser Einrichtung das Gefühl hatten, nichts bewirken zu können, baten sie ihre Koordinatorin um einen Wechsel, auch wenn es ihnen schwerfiel.

Spuren hinterlassen

In der neuen Einrichtung zeigte sich ein ganz anderes Bild: Es gab einen erkennbaren Tagesablauf, Unterricht in Mathematik, Englisch und der Landessprache Swahili sowie vorhandenes Lehrmaterial. „Hier haben wir gesehen, dass andere Freiwillige vor uns bereits sichtbare Spuren hinterlassen hatten.“ Auch Schuluniformen wurden dort durch Unterstützung von außen ermöglicht. Hier konnten die beiden sehen, dass sich kleine Maßnahmen über die Jahre summieren und etwas Positives in einem bestehenden Umfeld bewirken können. Ihre Aufgaben in der Einrichtung bestanden darin, die Lehrer zu unterstützen, Hefte vorzubereiten und mit den Kindern zu lernen, zu singen, zu spielen und den Unterricht zu begleiten. Die beiden hatten zu Hause Spenden gesammelt, sowohl innerhalb der Familie als auch im Rahmen eines Schulprojekts. Davon kauften sie Lernmaterialien vor Ort, Dinge des täglichen Bedarfs wie Mehl, Nudeln und Hygieneartikel sowie Spielsachen – darunter kleine Dinosaurier und Fische. „Als wir sie ihnen gezeigt haben, hat man nur noch kleine Hände gesehen und in kürzester Zeit waren alle weg. Und sie haben mit so einer Freude damit gespielt; das war ein besonders schöner Moment“, so die beiden. Einen Großteil des Geldes haben sie der Organisation gespendet, die damit weiter in solche Einrichtungen investieren kann. „In dieser Einrichtung hatten die Kinder wirklich alles, was sie brauchten – nicht so viel, wie ein Kind im Durchschnitt bei uns hat, aber es hat ihnen an nichts gefehlt“, sind sich die beiden einig.

Gut betreut, aber vorsichtig unterwegs

Auch in ihrer Unterkunft hat man sich gut um die beiden gekümmert. Es war ihren Ansprechpartnerinnen wichtig, dass es ihnen an nichts fehlte und es ihnen gut ging. „Die Damen meinten, wir sollten sie Mama nennen, und genau so haben sie sich uns gegenüber auch verhalten“, schmunzeln die beiden. Die Unterkunft wurde bewacht und auch das Tuktuk, das sie für den Weg zur zweiten Unterkunft zur Verfügung gestellt bekamen, sollten sie nur mit dem ihnen empfohlenen Fahrer nutzen. Bereits während einer Urlaubswoche auf Sansibar vor ihrem Einsatz war ihnen der starke Gegensatz zwischen den touristischen Resorts und der Armut außerhalb aufgefallen. „Wenn man einen guten Kaffee in einem schönen Restaurant trinkt und einem danach die Armut in den Straßen begegnet, fühlt es sich nicht wie Urlaub an“, so Hutz.

Gleichzeitig vermieden sie es, bei Einbruch der Dunkelheit noch draußen unterwegs zu sein. Ein Abend in Stone Town, an dem sie sich verirrten und von mehreren Männern angesprochen beziehungsweise begleitet wurden, bleibt ihnen als unangenehme Situation in Erinnerung. Während der anschließenden zwei Wochen auf dem Festland lernten sie schließlich einen Alltag kennen, mit dem sie bei einem reinen Urlaubsaufenthalt kaum in Berührung gekommen wären. Die Eindrücke in Tansania wirken auch einige Wochen nach ihrer Rückkehr noch nach. Der Aufenthalt hat ihren Blick auf die Bedingungen verändert, unter denen sie selbst arbeiten. Vieles, was im österreichischen Schulalltag selbstverständlich erscheint – von vorhandenen Materialien bis zur medizinischen Versorgung –, nehmen sie heute bewusster wahr.