Ein Oldtimer für jeden Tag
25. August 2026 | WLZ 137 | Autorin: Stefanie Schadler
Für Oskar Nothnagel aus Feistritz am Wechsel ist sein Jeep Willys Overland MB weit mehr als nur ein Oldtimer. Seit fast 50 Jahren gehört er zur Familie und wird bis heute regelmäßig im Alltag bewegt.
Ein Familienmitglied
Historische Fahrzeuge erzählen immer eine Geschichte, über das Fahrzeug, aber auch über den Besitzer selbst. Manche besitzen einen Oldtimer um des Sammelns willen. Andere sehen es sportlicher und nehmen an Rallyes teil. Wieder andere genießen einfach das Fahrgefühl, das diese älteren Autos vermitteln – so wie bei Oskar Nothnagel, der einen Jeep Willys Overland MB besitzt und in den Sommermonaten fast ausschließlich damit fährt.
Seitdem ihn sein Vater 1978 im Arsenal in Wien ersteigert hat, befindet er sich im Familienbesitz. „Aber eigentlich ist er ein Familienmitglied“, so Nothnagel. Die Geschichte der Willys ist eng mit dem Zweiten Weltkrieg verbunden. Die US-Armee war damals auf der Suche nach einem kleinen, billigen, leichten und geländegängigen Allzweckfahrzeug. So entstand einer der ersten Geländewagen. Bis 1945 fertigte Willys-Overland zwischen 350.000 bis 370.000 Einheiten des MB an. MB steht dabei für Military Serie B. Auch bei seinen Ausfahrten kommt Nothnagel fast immer mit Leuten ins Gespräch. Viele von ihnen berichten von ihren Erlebnissen beim Bundesheer oder davon, selbst früher mit einem Jeep unterwegs gewesen zu sein.
Für Nothnagel ist der Willys ein erschwinglicher Geländewagen und sehr eng mit seinen ersten Fahrerlebnissen verbunden. „Als ich meinen Führerschein bekommen habe, bin ich sofort nach Hause und zum ersten Mal allein mit dem Willys gefahren“, erinnert er sich an den Wert, den dieses Auto bereits damals für ihn hatte.
Ein Alltagsfahrzeug
Er möchte ihn so erhalten, wie sein Vater ihn damals gekauft hat. Es gehe ihm dabei weniger um Originalität, sondern um Funktionalität, weil er ihn wirklich stark nutze.
In der Erhaltung ist der Willys relativ günstig, so Nothnagel. Aufgrund der massenhaften Produktion und weltweiter Nachbauten gilt die Technik als extrem simpel und unkompliziert zu warten. Der Feistritzer führt die meisten Reparaturen daher selbst durch oder nutzt das Wissen seiner Oldtimer-Freunde. Natürlich brauche ein solches Auto mehr Öl, aber, so Nothnagel: „Generell fährt er brav.“ Teile seien genügend am Markt erhältlich – von Zahnrädern fürs Getriebe bis hin zu neuen Motoren –und auch rasch verfügbar.
Besonders im Sommer ist Nothnagel fast nur mit seinem Oldtimer unterwegs und erledigt mit ihm die Fahrten zur Besorgung des täglichen Bedarfs. Neben diversen Oldtimer-Treffen – in Grafendorf, Leibnitz oder auch Katschberg – ist ein besonderes Highlight die Ausfahrt nach Kroatien. In einer Gruppe Gleichgesinnter und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von maximal 70 Kilometer pro Stunde werden ausschließlich Nebenstraßen genutzt. So lerne man den Weg ganz anders kennen. „Man entdeckt so wunderschöne Plätze und Orte.“ Mit einer Fahrtdauer von rund zwölf Stunden sei definitiv der Weg das Ziel.
Das Fahren anders erleben
Vor allem das Fahrerlebnis ist für Nothnagel das Besondere an seinem Oldtimer. „Man spürt den Fahrtwind auch bei geschlossenem Dach, man spürt die kältere Luft, wenn man einen Bach entlangfährt und erlebt das Wetter hautnah mit – wenn zum Beispiel bei Regen die Windschutzscheibe innen und außen nass wird“, schmunzelt Nothnagl, der in solchen Fällen mit Regengewand hinter dem Steuer sitzt. Generell sei der Willys aber ein Schönwetterfahrzeug.
Auch fahrtechnisch erlebe man das Auto anders: Beim Schalten funktioniere der erste Gang nur mit Zwischengas, beim Bremsen ziehe das Auto manchmal nach links, manchmal nach rechts. Da es keine Sicherheitsgurte gibt, seien mehr Abstand und ein ruhiger Fahrstil besonders wichtig.
Wer sich für einen Oldtimer interessiere, sollte laut Nothnagel technisch interessiert sein und auch handwerkliches Geschick sei von Vorteil, um Reparaturen selbst durchführen zu können. Mit der Zeit komme man im Rahmen verschiedener Treffen mit immer mehr Leuten in Kontakt, die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Oldtimer-Szene sei eine Gemeinschaft mit gegenseitiger Wertschätzung und der Freude daran, historische Fahrzeuge nicht nur zu erhalten, sondern auch zu fahren.



